Philipp Schurr
13. August 2026

Die SAP BTP einfach erklärt – Ihre Möglichkeiten und wie die Einführung gelingt

SAP BTP einfach erklärt

Die SAP Business Technology Platform (SAP BTP) ist die zentrale Technologieplattform für Entwicklung, Automatisierung, Integration, Daten, Analytics und KI im SAP-Ökosystem. Richtig aufgesetzt, schafft sie eine stabile Basis für Cloud- und Erweiterungsprojekte und hilft Ihnen dabei, technische Schulden von Anfang an zu vermeiden. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, wie die SAP BTP aufgebaut ist, welche Möglichkeiten sie bietet und worauf Sie bei der Einführung achten sollten.

Das Wichtigste im Überblick

  • Zentrale Technologieplattform: SAP BTP verbindet Anwendungsentwicklung, Automatisierung, Integration, Daten und Analytics sowie künstliche Intelligenz in einer Plattform.
  • Technische Schulden vermeiden: Eine durchdachte Account-Struktur, Security, Identity Management, Integration und ein passendes kommerzielles Modell schaffen eine langfristig tragfähige Basis.
  • Moderne Laufzeitumgebungen: Für neue Szenarien stehen unter anderem Cloud Foundry und Kyma zur Verfügung. Die Neo-Umgebung läuft zum 31. Dezember 2028 aus.
  • Clean Core unterstützen: Side-by-Side-Erweiterungen auf der SAP BTP können dazu beitragen, den ERP-Kern sauber und upgradefähig zu halten.

Vermeidung technischer Schulden 

Sie sollten technische Schulden möglichst von Anfang an vermeiden, damit keine „Lücken“ im Fundament Ihrer Plattform entstehen. Berücksichtigen Sie deshalb bei der Einführung eines Projekts alle relevanten Bereiche gleichermaßen. Andernfalls zeigen sich die Folgen oft erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Mögliche Auswirkungen sind:

  • Die Plattform ist nicht für den Betrieb optimiert. Administratoren benötigen viel Zeit, um Fehler zu analysieren und die Plattform manuell zu überwachen.
  • Wirtschaftsprüfer finden kritische Sicherheitslücken, die Sie im Nachhinein aufwendig und teuer korrigieren müssen.
  • Langfristige Lizenzverträge oder unpassende kommerzielle Modelle schränken Ihre Flexibilität ein und verhindern mögliche Einsparungen.

Mit Mission Mobile führen Sie die SAP Business Technology Platform so ein, dass Sie schnell produktive Use Cases umsetzen können, ohne Architektur, Security und Governance später teuer nachzuziehen.

Die Strategie der SAP BTP 

Die SAP BTP ist eine Cloud-Plattform, auf der Sie Anwendungen entwickeln und erweitern, Prozesse automatisieren, Systeme integrieren sowie Daten und KI-Funktionen nutzen können. SAP stellt dafür die zugrunde liegende Plattform und – je nach Umgebung und Service – große Teile der technischen Infrastruktur bereit.

Sie können eigene Anwendungen auf der BTP entwickeln oder SAP-Services nutzen, die direkt über die Plattform bereitstehen. Dadurch eignet sich die BTP sowohl für individuelle Entwicklungen als auch für Integrations-, Automatisierungs- und Erweiterungsszenarien.

Welche Möglichkeiten bietet die SAP BTP?

SAP ordnet die zentralen Möglichkeiten der BTP heute fünf Technologieportfolios zu:

  1. Application Development: Anwendungen entwickeln, erweitern und betreiben
  2. Process Automation: Geschäftsprozesse und Workflows automatisieren
  3. Integration: SAP- und Non-SAP-Systeme, Daten, APIs und Prozesse verbinden
  4. Data, Analytics & Enterprise Planning: Daten verwalten, analysieren und für Entscheidungen nutzbar machen
  5. Artificial Intelligence: KI-Funktionen entwickeln und in Geschäftsanwendungen und Prozesse integrieren

Hinzu kommen grundlegende Plattformfunktionen für Administration, Security, Identity Management, Governance und Betrieb. Mit diesen Services entwickeln Unternehmen konkrete Use Cases für ihre Fachbereiche. Gleichzeitig muss die IT die Plattform so strukturieren, absichern und administrieren, dass Anwendungen und Integrationen zuverlässig betrieben werden können.

Zu den wichtigen Grundfunktionen zählen beispielsweise:

  • User-, Identity- und Berechtigungsmanagement
  • Anwendungsentwicklung und Automatisierung
  • Integration von Anwendungen, Daten, APIs und Events
  • Datenmanagement und Analytics
  • KI-Funktionen
  • Administration, Security und Governance

So lassen sich unterschiedliche SAP- und Non-SAP-Lösungen in durchgängige Prozesse integrieren.

Wie ist die BTP aufgebaut? 

Die SAP BTP arbeitet mit einem hierarchischen Account-Modell. Der Global Account bildet dabei die oberste vertragliche und organisatorische Ebene. Innerhalb des Global Accounts können Sie optional Directories verwenden und darunter Subaccounts nach organisatorischen, technischen oder projektspezifischen Anforderungen aufbauen.

In den Subaccounts aktivieren Sie Services, konfigurieren Berechtigungen und stellen Laufzeitumgebungen für Anwendungen bereit. Berechtigungen und Vertrauensbeziehungen müssen Sie passend zum jeweiligen Szenario konfigurieren. Identitäten lassen sich jedoch zentral über einen Unternehmens-Identity-Provider oder die SAP Cloud Identity Services integrieren.

Anbindung an andere Systeme 

Für die sichere Anbindung von On-Premises-Systemen an SAP BTP können Sie den SAP-Cloud-Connector einsetzen. Er stellt eine kontrollierte Verbindung zwischen BTP-Anwendungen und ausgewählten Ressourcen in Ihrer On-Premises-Landschaft her, ohne dass Sie Ihre internen Systeme allgemein aus dem Internet erreichbar machen müssen.

Für reine Cloud-to-Cloud-Szenarien benötigen Sie den Cloud Connector in der Regel nicht. Hier erfolgt die Integration beispielsweise über APIs und Integrationsservices. Auch Identity Provider lassen sich anbinden. Die SAP Cloud Identity Services unterstützen unter anderem Authentifizierung und die Provisionierung von Identitäten und Berechtigungen.

In diesem kostenlosen Webinar erfahren Sie, was die SAP Business Technology Platform ist, wie ihre Architektur aufgebaut ist und was sie Ihrem Unternehmen ermöglichen kann.

Cloud-Foundry und Kyma als moderne Laufzeitumgebungen

Cloud-Foundry ist kein Betriebssystem eines Subaccounts, sondern eine der Laufzeitumgebungen der SAP BTP. Je nach Anwendungsfall stehen auf der Plattform unterschiedliche Umgebungen zur Verfügung, darunter Cloud Foundry, Kyma und das ABAP Environment. Cloud Foundry und Kyma können sogar innerhalb eines Subaccounts gemeinsam genutzt werden.

Die frühere Neo-Umgebung befindet sich dagegen auf dem Weg zum Auslaufmodell: SAP hat den Sunset für den 31. Dezember 2028 angekündigt. Bestehende Neo-Szenarien sollten deshalb rechtzeitig auf die Multi-Cloud-Foundation, beispielsweise Cloud Foundry oder Kyma, migriert werden.

Wie aufwendig eine solche Migration ist, hängt stark von den eingesetzten Services, Eigenentwicklungen, Schnittstellen und Abhängigkeiten ab. Eine pauschale Migrationsdauer lässt sich deshalb nicht seriös angeben.

Erfolgreiche Usecases mit der SAP BTP 

Andere Unternehmen konnten durch die Einführung der SAP BTP bereits ihre Herausforderungen lösen und ihr Ziel erreichen. Zur Veranschaulichung stelle ich Ihnen zwei Beispiele vor:

Kunde 1: Bedarf an globalen Cloud-Apps für den Betrieb

Ein Kunde aus der Lebensmittelbranche mit ca. 7.800 Mitarbeitern kam auf die mindsquare AG zu, um mit unserer Hilfe globale Cloud-Apps für den Vertrieb einzusetzen.

Er stand vor folgenden Herausforderungen:

  • Die Preisfindungsprozesse im Vertrieb waren weder standardisiert noch digitalisiert.
  • Dadurch dauerte der Prozess mehrere Tage und verursachte hohe Personalaufwände und -kosten.
  • Das Unternehmen benötigte Apps, die Mitarbeitern weltweit zur Verfügung stehen.
  • Dafür mussten Schnittstellen zu Cloud- und On-Premises-Systemen geschaffen werden.
  • Mit der vorhandenen On-Premises-IT-Landschaft ließen sich diese Anforderungen nicht erfüllen.

Daraufhin starteten wir gemeinsam ein Konzeptionsprojekt. Unser Vorgehen umfasste folgende Schritte:

  1. Anforderungsanalyse: Welche Anforderungen hat das Unternehmen? Welche IT-Landschaft und Tools sind bereits vorhanden? Welche Lösungsansätze kommen infrage?
  2. Architektur: Entscheidung zwischen Make-or-Buy und Empfehlung einer Eigenentwicklung auf BTP-Basis
  3. Entwicklung: Einführung der SAP BTP als Basis, Pilotierung geeigneter BTP Services und anschließende Entwicklung über mehrere Monate

Architektur der Lösung für eine globale Preisfindung 

Wir orientierten uns an den Fiori-Vorgaben und entwickelten die Oberflächen mit dem SAP Business Application Studio, das SAP weiterhin als Entwicklungsumgebung auf der BTP bereitstellt. Für Workflows kam im damaligen Projekt der Workflow Service zum Einsatz. Für neue Automatisierungs- und Workflow-Szenarien steht heute SAP Build Process Automation im Mittelpunkt. SAP unterstützt zudem die Überführung bestehender Workflow-Szenarien auf diesen Service.

Für Daten und Schnittstellen benötigten wir einen API-Layer in der Cloud. SAP API Management verbindet und steuert APIs und ist heute eine Capability innerhalb der SAP Integration Suite. Für die skalierbare Zwischenspeicherung von Daten nutzten wir im damaligen Projekt einen SAP-HANA-Datenbankservice. Für neue Cloud-Foundry-Szenarien ist SAP HANA Cloud das aktuelle HANA-Angebot auf der SAP BTP. Zum Schluss integrierten wir verschiedene Backend- und Cloud-Systeme. Dafür bietet sich heute unter anderem die Cloud-Integration-Capability der SAP Integration Suite an.

Mehrwerte durch die BTP Services & Tools 

Der Kunde erzielte durch die SAP BTP mehrere Vorteile:

  • SAP Fiori -Apps auf der BTP: Einheitliche User Experience und schnellere Entwicklung mit geeigneten Entwicklungstools
  • Apps in der Cloud: Skalierbarkeit und höhere Verfügbarkeit bei gleichzeitig geringerem Infrastrukturaufwand
  • Integration von Apps und Backend-Systemen: Reduzierter Entwicklungs- und Betriebsaufwand für Schnittstellen
  • Skalierbare HANA-Datenhaltung: Flexible Datenplattform und einfache Weiterverwendung der Anwendungsdaten

Kunde 2: Dezentrale IT mit vielen Insellösungen 

Ein Kunde aus der Chemieindustrie mit etwa 7.000 Mitarbeitern stand vor der Herausforderung einer dezentralen IT mit zahlreichen Insellösungen.

Konkret bestanden folgende Herausforderungen:

  • Große Konzernorganisation mit unabhängigen IT-Abteilungen
  • Kaum Synergien zwischen den einzelnen IT-Abteilungen
  • Statt zentraler, wiederverwendbarer Lösungen handelte jede Konzerneinheit für sich. Mehrere Gesellschaften kümmerten sich beispielsweise jeweils selbst um Integration und Fiori und betrieben dafür eigene Server.
  • Hohe IT-Kosten durch mehrfach lizenzierte Lösungen und fehlende Wiederverwendbarkeit im Konzern

Daraufhin startete ein Projekt zur Einführung zentraler „Shared Services“ auf der SAP BTP. Die Lösung umfasste mehrere Veränderungen:

  • Die zentrale Konzern-IT stellt über eine zentrale BTP-Struktur verschiedene Services für die Unternehmensgruppe bereit.
  • Ein zentrales Mitarbeiterportal bündelt SAP- und Non-SAP-Anwendungen mit SAP Build Work Zone.
  • Die Schnittstellen werden über die SAP Integration Suite in einer zentralen Integrationsplattform konsolidiert.
  • SAP Cloud Identity Services unterstützen einheitliches Single Sign-On und die zentrale Provisionierung von Identitäten.

Mehrwerte durch die BTP „Shared Services“ 

Durch die Einführung der Shared Services erzielte das Unternehmen folgende Vorteile:

  • Eine zentrale BTP-Umgebung statt individueller Cloud-Landschaften reduzierte Wartungs- und Betriebsaufwände.
  • Ein allgemeiner, wiederverwendbarer Integration-Layer reduzierte die Integrationskosten in Entwicklung und Betrieb um 30 %.
  • Die Ablösung von vier dezentralen Mitarbeiterportalen senkte IT-Kosten und vereinfachte die Administration.
  • Eine einheitliche Authentifizierung nach Konzernvorgaben erhöhte die IT-Sicherheit durch zuverlässige Benutzersperren und Multi-Faktor-Authentifizierung.

Was Sie bei der Einführung der SAP BTP beachten sollten 

Damit die Einführung der SAP BTP reibungslos abläuft und Sie spätere technische Schulden vermeiden, sollten Sie einige Punkte bereits vor Projektbeginn klären:

  • Entwickeln Sie eine zukunftssichere und flexible Struktur für Global Account, Directories und Subaccounts.
  • Definieren Sie Ihre Anforderungen an IT-Security und integrieren Sie bestehende Identity- und Access-Management-Prozesse.
  • Legen Sie Verantwortlichkeiten für Administration, Betrieb und Governance der Plattform fest.
  • Prüfen Sie frühzeitig, welche Laufzeitumgebung und welche BTP-Services zu Ihrem Szenario passen.
  • Wählen Sie ein kommerzielles Modell, das zu Ihrem erwarteten Verbrauch und Ihren Anforderungen an Kostenkontrolle und Flexibilität passt.

SAP unterscheidet grundsätzlich zwischen verbrauchsbasierten und abonnementbasierten kommerziellen Modellen. Beim verbrauchsbasierten Ansatz stehen unter anderem SAP BTP Enterprise Agreement (SAP BTPEA) und Pay-As-You-Go for SAP BTP zur Verfügung. Welche Variante wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt stark von Ihrem Nutzungsszenario ab.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist heute die Clean-Core-Strategie. Gerade bei SAP-S/4HANA-Szenarien können Side-by-Side-Erweiterungen auf der BTP dabei helfen, individuelle Anforderungen umzusetzen, ohne den ERP-Kern unnötig anzupassen. Dadurch reduzieren Sie Komplexität und technische Schulden und erleichtern zukünftige Upgrades.

E-Book: SAP BTP

In unserem E-Book erhalten Sie einen Überblick zur SAP Business Technology Platform: Architektur, Anwendungsbereiche und Vorteile.

Fazit: Schaffen Sie mit SAP BTP ein stabiles Fundament

Mit der SAP BTP schaffen Sie eine zentrale Plattform für Anwendungen, Automatisierung, Integration, Daten und KI. Der größte Mehrwert entsteht jedoch nicht dadurch, möglichst viele Services einzusetzen. Entscheidend ist, von Anfang an eine belastbare Architektur für Accounts, Security, Identity, Integration, Betrieb und Kosten aufzubauen. So vermeiden Sie technische Schulden und schaffen gleichzeitig die Grundlage für skalierbare Cloud- und Clean-Core-Szenarien.

Sie möchten SAP BTP neu einführen, Ihre bestehende Plattformstruktur optimieren oder noch vorhandene Neo-Szenarien rechtzeitig modernisieren? Sprechen Sie mit unseren BTP-Experten. Gemeinsam prüfen wir Ihre Ausgangslage und entwickeln eine Architektur, die zu Ihren Anforderungen passt.

Dieser Artikel wurde bereits im Juni 2023 veröffentlicht und am 13. August 2026 mit leichten Anpassungen aktualisiert.

FAQ

Was ist die SAP BTP?

Die SAP Business Technology Platform ist eine Technologieplattform für Anwendungsentwicklung, Automatisierung, Integration, Daten und Analytics sowie künstliche Intelligenz. Unternehmen können damit SAP- und Non-SAP-Systeme verbinden, eigene Anwendungen entwickeln und bestehende SAP-Lösungen erweitern.

Ist Cloud Foundry das Betriebssystem der SAP BTP?

Nein. Cloud Foundry ist eine Laufzeitumgebung innerhalb der SAP BTP. Daneben unterstützt die Plattform unter anderem Kyma und das ABAP Environment. Welche Umgebung geeignet ist, hängt vom jeweiligen Anwendungsszenario ab.

Was passiert mit der SAP-BTP-Neo-Umgebung?

SAP hat angekündigt, die Neo-Umgebung zum 31. Dezember 2028 einzustellen. Unternehmen mit bestehenden Neo-Szenarien sollten ihre Abhängigkeiten deshalb frühzeitig analysieren und die Migration auf die Multi-Cloud-Foundation planen.

Welche Preismodelle gibt es für die SAP BTP?

SAP bietet verbrauchsbasierte und abonnementbasierte kommerzielle Modelle an. Zu den verbrauchsbasierten Varianten zählen unter anderem SAP BTP Enterprise Agreement und Pay-As-You-Go for SAP BTP. Welches Modell am besten passt, hängt insbesondere vom erwarteten Serviceverbrauch, der gewünschten Flexibilität und der Kostenplanung ab.


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