Tobias Feldherr
5. Juni 2026

SAP S/4HANA

SAP S/4HANA ist die aktuelle ERP-Suite von SAP. Das System basiert auf der In-Memory-Datenbank SAP HANA und bietet Unternehmen zahlreiche Innovationen. Auch im Bereich Mobility und User Experience ergeben sich entscheidende Vorteile: Mit der Oberflächentechnologie SAP Fiori lassen sich SAP-S/4HANA-Anwendungen benutzerfreundlich gestalten, sodass Anwender sie zuverlässig und effizient bedienen können.

Das Wichtigste im Überblick

  • SAP S/4HANA ist die aktuelle ERP-Suite von SAP und basiert vollständig auf der In-Memory-Datenbank SAP HANA.
  • Gegenüber älteren SAP-ERP-Systemen bietet SAP S/4HANA vor allem Vorteile bei Performance, Prozessvereinfachung und User Experience.
  • SAP Fiori sorgt für eine moderne, rollenbasierte und geräteübergreifend konsistente Oberfläche für viele Anwendungen in SAP S/4HANA.
  • Für viele Unternehmen ist die Umstellung auch strategisch relevant, weil die Wartungszeiträume älterer SAP-Business-Suite-Systeme begrenzt sind.

SAP HANA

Bei SAP HANA (High Performance Analytic Applicance) handelt es sich um eine In-Memory- und Multi-Model-Datenbank sowie um eine Plattform für moderne Datenverarbeitung. Mit der In-Memory-Technik werden Daten im Arbeitsspeicher statt auf klassischen Festplattenspeichern gehalten. Dadurch lassen sich Informationen deutlich schneller verarbeiten und analysieren.

Die Datenbank von SAP HANA ist deshalb in der Lage, große Datensätze in Echtzeit zu verarbeiten und Geschäftsprozesse auf diese Weise zu beschleunigen. Diesen Vorteil nutzt auch SAP S/4HANA. Das ERP-System basiert vollständig auf der SAP HANA Datenbank und stellt Anwendern zudem moderne Benutzeroberflächen zur Verfügung.

Abb. 1: Digitale Transformation als Auslöser für neue Anforderungen an IT-Systeme

Abb. 1: Digitale Transformation als Auslöser für neue Anforderungen an IT-Systeme

Migration

Die Überführung von SAP ERP zu SAP S/4HANA erfordert eine akribische Planung und Umsetzung. In diesem Prozess werden bestehende Systeme bewertet, ein geeigneter Migrationsansatz (System Conversion oder New Implementation) gewählt, Daten migriert, Anwendungen angepasst und umfangreiche Tests durchgeführt. Darüber hinaus erfolgt eine Schulung der Mitarbeiter. Nach der Migration gilt es, die Systemleistung zu überwachen und kontinuierliche Prozessoptimierungen vorzunehmen.
Eine umfassende Vorbereitung und enge Zusammenarbeit bilden das Fundament für einen reibungslosen Übergang, um die Vorteile von SAP S/4HANA optimal auszuschöpfen. Für viele Unternehmen gewinnt das Thema zusätzlich an Bedeutung, weil die Mainstream-Wartung der SAP Business Suite 7 Ende 2027 ausläuft und eine optionale Extended Maintenance bis Ende 2030 möglich ist.

Vorteile

SAP S/4HANA verfügt im Vergleich zu älteren ERP-Systemen von SAP über einige wesentliche Vorteile:

Leistungsgewinn

Der Einsatz von SAP S/4HANA sorgt für eine höhere Performance, also für eine höhere Geschwindigkeit beim Auslesen und Verarbeiten von Datensätzen. Besonders wenn Unternehmen sehr große Datenmengen verarbeiten, kann ein Umstieg auf SAP S/4HANA sinnvoll sein, da klassische ERP-Systeme unter Umständen deutlich länger brauchen, um große Datenbestände bereitzustellen. Gerade auch im Fall von Massentransaktionen, bei denen sehr viele Nutzer gleichzeitig auf das System zugreifen, kann die SAP-HANA-Datenbank mit ihrer Leistungsfähigkeit einen reibungslosen Betrieb gewährleisten.

Vereinfachung

Mit SAP S/4HANA ergeben sich in vielen Unternehmen Möglichkeiten, Systemlandschaften zu verändern und unter Umständen zu vereinfachen. In den älteren SAP-ERP-Systemen existieren einige Module, die zwar mit dem ERP verknüpft sind, jedoch über separate Systeme laufen. Einige von ihnen, z. B. SAP Extended Warehouse Management (SAP EWM) oder SAP Advanced Planning and Optimization PP-DS (SAP APO PP/DS), sind ein integraler Bestandteil von SAP S/4HANA. Dadurch können Unternehmen auf entsprechende Schnittstellen und die Verarbeitung redundanter Daten verzichten – infolge dessen reduzieren sich Betriebsaufwände und Infrastrukturkosten.

Zusätzliche Vereinfachungspotenziale ergeben sich durch den Cloud-Betrieb. Je nach Betriebsmodell übernimmt SAP dabei zentrale Aufgaben rund um Betrieb, Wartung und Updates. Gleichzeitig bleiben Integrationen und Erweiterungen weiterhin Teil der Gesamtarchitektur und sollten in der Transformationsplanung berücksichtigt werden.

Größerer Funktionsumfang

SAP S/4HANA besitzt im Vergleich zum klassischen SAP-ERP-System neue Funktionalitäten. Hierzu zählen insbesondere mobile Einsatzmöglichkeiten mit SAP Fiori, Machine Learning und je nach Szenario KI-gestützte Funktionen.

Abb. 2: Szenarien für den Wechsel auf SAP S/4HANA

Abb. 2: Szenarien für den Wechsel auf SAP S/4HANA

SAP S/4HANA und Fiori

SAP S/4HANA markiert einen Wendepunkt in der Weiterentwicklung der SAP-Softwarelandschaft. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass SAP Fiori zur führenden User Experience für viele SAP-Anwendungen geworden ist. Fiori sorgt dafür, dass Anwendungen besonders benutzerfreundlich gestaltet sind. Mitarbeiter greifen über das Fiori-Launchpad auf die verschiedenen Applikationen zu, die dort übersichtlich und rollenbasiert angeordnet sind. Die User Experience bleibt über Smartphone, Tablet und Desktop hinweg konsistent und ermöglicht dadurch eine intuitive Bedienung.

Fiori-2.0-Benutzeroberfläche in Kacheloptik

Abb. 3: Fiori-2.0-Benutzeroberfläche in Kacheloptik.

SAP Fiori und GUI

Im klassischen ERP liefen die Anwendungen mit der Benutzeroberfläche SAP GUI. Diese wurde von Anwendern häufig als unübersichtlich empfunden und war nicht für den mobilen Einsatz konzipiert. SAP Fiori sorgt in zwei wesentlichen Bereichen für deutliche Verbesserungen.
Zum einen wird die Nutzung von Mobilgeräten durch Fiori erheblich vereinfacht, da Fiori-Anwendungen responsiv beziehungsweise adaptiv gestaltet werden können. Zum anderen verändert Fiori die Oberflächengestaltung der Anwendungen grundlegend. Die Apps sind übersichtlicher aufgebaut und dadurch intuitiver bedienbar.

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Fiori 3.0 und aktuelle Themes

SAP Fiori 3 ist weiterhin die maßgebliche Designrichtung im SAP-Umfeld und bietet Anwendern moderne Darstellungsmöglichkeiten. Im Vergleich zu älteren Fiori-Versionen rücken Inhalte, Rollenbezug und Übersicht stärker in den Vordergrund. Neben dem früher zentralen Quartz-Theme spielen heute, je nach Systemkontext, auch aktuelle Horizon-Themes eine wichtige Rolle. Für Anwender bedeutet das vor allem eine modernere, konsistentere Oberfläche, die Informationen klar strukturiert und die Orientierung im Launchpad verbessert.



Fiori 3.0

Abb. 2: Das Design von Fiori 3.0 rückt die Applikationen und ihre Informationen mehr in den Vordergrund.

Fiori Enterprise Search im Launchpad

Mit der Fiori Enterprise Search ergibt sich für Anwender unter S/4HANA eine einfachere Suchmöglichkeit nach Transaktionen, Apps und sämtlichen Geschäftsobjekten. So müssen nicht mehr ganze Transaktionscodes, sondern einfache Referenzen oder Wildcards zum Auffinden einer Transaktion verwendet werden. Nutzer geben zum Beispiel *969 in das Suchfeld ein, um sich alle Transaktionscodes anzeigen zu lassen, die auf 969 enden.

Sobald Anwender eine Referenz in die Fiori Enterprise Search eingegeben haben, erhalten sie einige Sekunden später die Ergebnislisten aller Geschäftsobjekte, die ganz oder teilweise mit dieser Referenz übereinstimmen.



Nutzer können sich eine Ergebnisliste mit verschiedenen Objekten anzeigen lassen.

Abb. 3: Nutzer können sich eine Ergebnisliste mit verschiedenen Objekten anzeigen lassen.

Fiori Notifications

Die Möglichkeit, Benachrichtigungen direkt im Arbeitskontext anzuzeigen, gehört zu den beliebtesten Features von Fiori unter SAP S/4HANA. Statt Informationen ausschließlich per E-Mail zu versenden, informiert Fiori Empfänger direkt im Launchpad, genauer gesagt im Benachrichtigungszentrum, über neue Aufgaben, Hinweise oder Ereignisse. Hierbei blendet das System ein Benachrichtigungssymbol ein.



Fiori-Nachrichten werden Empfängern direkt auf der Benutzeroberfläche des Fiori Launchpads angezeigt.

Abb. 4: Fiori-Nachrichten werden Empfängern direkt auf der Benutzeroberfläche des Fiori Launchpads angezeigt.

SAP Mobile Start als mobiler Einstieg

Für mobile Nutzungsszenarien gewinnt neben dem klassischen Fiori Launchpad auch SAP Mobile Start an Bedeutung. Die App dient als zentraler mobiler Einstiegspunkt für Anwendungen, Aufgaben, Benachrichtigungen und Unternehmensinhalte. Damit wird deutlich: Mobility im SAP-Umfeld bedeutet heute nicht nur responsive Fiori-Apps, sondern auch einen konsolidierten, nativen Zugang zu wichtigen Prozessen.

Fiori Default Values

Unter Fiori Standardwerten versteht man sowohl Primärwerte, die Nutzer regelmäßig im SAP-System eingeben, als auch zusätzliche Werte, mit denen zum Beispiel ein Suchfilter gesteuert wird. Diese können sowohl auf klassische als auch auf Fiori-Apps übertragen werden. Unter SAP S/4HANA sind die entsprechenden Werte durch den Endanwender personalisierbar, das heißt, jeder Nutzer kann die für ihn relevanten Standardwerte selbst pflegen und aktuell halten.

User Assistance

Damit eine sichere Bedienung zu jederzeit gewähreistet werden kann, verfügt Fiori unter S/4HANA nicht nur über eine intuitive Benutzeroberfläche, sondern auch einer Benutzerhilfe. Gerade zu Beginn der Explore-Phase kann diese für Anwender eingeschaltet werden, damit diese sich so schnell wie möglich mit den neuen Apps vertraut machen können. Die User Assistance stellt eine In-App-Hilfe dar, die dem Anwender alle relevanten Funktionen der Anwendung erklärt und ihn auf Wunsch auch Schritt für Schritt durch den Prozess begleitet.

Fiori-Designprinzipien

Fiori schafft unabhängig von den verwendeten Endgeräten eine einheitliche und intuitive User Experience über die verschiedenen Applikationen hinweg. Das Designkonzept ist mit allen SAP-Anwendungen der neueren Generation kompatibel und Standard in SAP S/4HANA. Insgesamt liegen Fiori fünf Kernprinzipien zugrunde:

Anpassungsfähigkeit

Fiori passt sich automatisch an die verschiedenen Nutzungsszenarien an. Es lässt sich auf mobilen Endgeräten ebenso wie auf stationären Computern nutzen, indem es sich responsiv an die jeweilige Bildschirmgröße anpasst.

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Kohärenz

Fiori kann für alle Unternehmensanwendungen eingesetzt werden. So wird eine konsistente Benutzererfahrung geschaffen, egal ob Anwender mit der App Kundenaufträge erfüllen, Kennzahlen abrufen oder Urlaubsanträge verwalten.

Einfachheit

Das Design ist so konzipiert worden, dass es Nutzern die Konzentration auf die wesentlichen Aufgaben, Funktionen und Aktivitäten erleichtert.

Ansprechende Gestaltung

Das intuitive und benutzerfreundliche Designkonzept verbessert die Arbeitserfahrung der Anwender und trägt zur Motivation und damit zu höherer Produktivität bei.

Rollenbasiertheit

Anwender können nur auf die für ihre Rolle und Position definierten Applikationen zugreifen. Dadurch wirkt die Oberfläche aufgeräumt und nicht überladen.

Fiori-Konzept: Mobile First

SAP-Fiori-Anwendungen werden nach dem „Mobile-First-Prinzip“ entwickelt. Damit trägt Fiori dem veränderten Nutzerverhalten Rechnung, denn immer mehr Anwender greifen auch im Unternehmenskontext zu mobilen Geräten, um Aufgaben zu erledigen.
„Mobile First“ ist in diesem Zusammenhang ein innovativer Ansatz in der Entwicklung, um traditionell komplexe Business-Anwendungen mobil verfügbar zu machen. Dabei gehen Developer von der einfachsten Funktionalität aus und entwickeln diese schrittweise weiter, anstatt mit maximaler Komplexität zu beginnen und später zu reduzieren.

Bei „Mobile First“ wird zuerst die mobile Anwendung entwickelt und erst danach die Desktop-Version weiter ausgebaut. Dadurch müssen sich Entwickler und Designer auf das Wesentliche der Applikation konzentrieren. Informationen werden reduziert, aggregiert und gruppiert. Gleichzeitig verzichtet die Entwicklung auf unnötigen Code. Die Begrenzung der mobilen Darstellung dient als Katalysator für Innovation und Usability, von der auch die Desktop-Anwendung profitiert.

Wichtig ist dabei: Nicht jede App ist automatisch für jedes Endgerät in gleicher Weise optimiert. Welche Geräte unterstützt werden, hängt vom jeweiligen Anwendungstyp und der konkreten App ab.

Fazit

SAP S/4HANA basiert auf der In-Memory-Technologie SAP HANA und ist dadurch in der Lage, Daten schneller zu verarbeiten und Geschäftsprozesse zu beschleunigen. Neben Performance und vereinfachten Prozessen profitieren Unternehmen heute vor allem von einer modernen User Experience, integrierten Analysefunktionen, Automatisierungsmöglichkeiten und einer zukunftsfähigen Plattformstrategie.
Kontaktieren Sie uns, wenn Sie weitere Fragen zum Thema SAP S/4HANA haben. Gerne beraten wir Sie in einem persönlichen Gespräch.

Dieser Artikel wurde bereits im Dezember 2020 veröffentlicht und am 05. Juni 2026 mit leichten Anpassungen aktualisiert.

FAQ

Was ist SAP S/4HANA?

SAP S/4HANA ist die aktuelle ERP-Suite von SAP. Sie basiert auf der In-Memory-Datenbank SAP HANA und unterstützt Unternehmen dabei, Prozesse in Echtzeit auszuführen, zu analysieren und zu vereinfachen. Das „S“ in S/4HANA steht für „Simple“.

Warum auf SAP S/4HANA umstellen?

SAP S/4HANA vereint eine Großzahl an allgemeinen Vorteilen und Kompetenzen wie Prozessvereinfachung, technologische Rahmenbedingungen für Industrie 4.0 und Machine Learning, allgemeine Performanceverbesserung und Echtzeitdatenverarbeitung.

Was ist SAP HANA?

SAP HANA steht für „High Performance Analytic Appliance“ und bezeichnet eine In-Memory- und Multi-Model-Datenbank von SAP. Sie ermöglicht es, große Datenmengen in Echtzeit zu verarbeiten, und ist die technische Grundlage von SAP S/4HANA.

„S/4HANA on prem“ oder „S/4HANA Cloud Edition“?

Welche Betriebsform geeignet ist, hängt von den Anforderungen des Unternehmens ab. Grundsätzlich unterscheidet SAP heute zwischen SAP S/4HANA on-premises, SAP S/4HANA Cloud Private Edition und SAP S/4HANA Cloud Public Edition. Während On-Premises maximale Eigenkontrolle ermöglicht, bieten die Cloud-Varianten Vorteile bei Skalierbarkeit, Betriebsaufwand und Innovationsgeschwindigkeit.

Wer kann mir beim Thema SAP S/4HANA helfen?

Wenn Sie Unterstützung zum Thema SAP S/4HANA benötigen, stehen Ihnen die Experten von Mission Mobile, dem auf dieses Thema spezialisierten Team der mindsquare AG, zur Verfügung. Unsere Berater helfen Ihnen, Ihre Fragen zu beantworten, das passende Tool für Ihr Unternehmen zu finden und es optimal einzusetzen. Vereinbaren Sie gern ein unverbindliches Beratungsgespräch, um Ihre spezifischen Anforderungen zu besprechen.

Tobias Feldherr

Tobias Feldherr

Als Management & Technologieberater im Bereich Mobility verbinde ich tiefgehende fachliche Expertise mit langjährigem Projektleitungs-Know-How. Diese Kombination liefert mir die Grundlage, meine Kunden-Projekte zum Erfolg zu führen. Gerne unterstütze ich Sie bei den Themen mobile Infrastrukturen und App-Entwicklung mit SAPUI5 oder Low-Code.

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