Tobias Harmes
5. Juli 2022

SAP Cloud Foundry

Mit der SAP Cloud Foundry steht eine weitere Umgebung für die Entwicklung von Cloud-Anwendungen zur Verfügung. Im Vergleich zum älteren SAP Neo kann das Hosting statt im SAP-Rechenzentrum nun über einen beliebigen Hyperscaler erfolgen. Die quelloffene Plattform ist insgesamt besser auf die Anforderungen heutiger IT-Landschaften ausgerichtet.

Was ist SAP Cloud Foundry?

Die Cloud Foundry stellt SAP als Platform as a Service (PaaS) zur Verfügung. Unternehmensanwendungen lassen sich damit entwickeln, ausrollen und im gewünschten Maße skalieren. SAP Cloud Foundry zeichnet sich durch zwei wesentliche Eigenschaften aus, zu denen die freie Wahl des Hyperscalers und die Quelloffenheit gehören. Der Nutzer entscheidet selbst, ob er zum Beispiel Microsoft Azure, die Google Cloud Platform oder Amazon Web Services als Infrastructure as a Service (IaaS) für die Foundry nutzen möchte. Und er kann die von ihm präferierte Programmiersprache verwenden. Damit soll ein höheres Maß an Flexibilität einhergehen, die besser zu den modernen Anforderungen in diesem Bereich passen soll.

Einsatzzweck

Cloud Foundry versucht ein bestimmtes Problem zu lösen, auf das Entwickler von Cloud-Anwendungen immer wieder stoßen. Die Idee bei der Bereitstellung in der Cloud besteht darin, die Hardwarebeschaffung und umständliche IT-Prozesse zu umgehen. Allerdings reicht die Anwendung alleine dafür nicht aus, es muss auch eine entsprechende Laufzeitumgebung vorhanden sein. In der Vergangenheit war es so, dass die einzelnen Cloud-Anbieter hier auf proprietäre Lösungen gesetzt haben. Das bedeutet aber, dass sich der Entwickler frühzeitig auf eine bestimmte Zielumgebung festlegen muss. Genau das ist bei Cloud Foundry nicht mehr erforderlich.

Zu den typischen Anwendungsfällen gehören die Integration von Geschäftsanwendungen oder die Verbesserung von SAP-Produkten. Möglich ist es auch, gänzlich neue Unternehmensanwendungen zu erstellen. Das Hosting erfolgt dann auf der SAP Business Technology Platform.

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Features

Zu den wichtigsten Features der Cloud Foundry gehört die Unterstützung verschiedener Programmiersprachen. Dazu zählen zum Beispiel Java und Node.js sowie BYOL (Bring Your Own Language). In dieser Hinsicht ist der Anwender bei Cloud Foundry kaum eingeschränkt. Dank der klaren Admin-Trennung können Administratoren und Entwickler auf der Plattform parallel arbeiten. Das soll die Produktivität im Arbeitsalltag erhöhen. Zudem handelt es sich um Open-Source, jeder kann also seinen Beitrag leisten und Updates beschleunigen. Ein weiteres interessantes Feature besteht mit dem standardisierten Command Line Interface. Dieses verwendet nicht nur SAP. Alle Cloud Foundry-Anbieter nutzen das gleiche Command Line Interface.

Aufbau/Architektur

Für die Zugangskontrolle setzt die Cloud Foundry auf ein Rollen-basiertes System. Jeder erhält die ihm durch Administratoren, Org-Manager oder Space-Manager zugewiesenen Zugriffsmöglichkeiten. Bei den Orgs handelt es sich dabei um Entwickler-Konten, die entweder zu einer einzelnen Person oder einem Kollektiv gehören. In den Orgs sind wiederum verschiedene Rollen zu finden wie Org-Manager oder Org-Auditor. Innerhalb des Orgs teilen sich die Mitglieder zum Beispiel einen Ressourcenkontingentplan, Apps und Domains.

Die Spaces gewähren den Nutzern Zugriff auf einen gemeinsamen Standort für die App-Entwicklung sowie deren Bereitstellung und Wartung. Die Spaces gehören zu Orgs und jede Org kann mehrere Spaces umfassen. Jede App ist einem dieser Spaces zugewiesen. Die Rollen für den Ressourcenzugriff haben nur Bedeutung innerhalb dieser jeweiligen Spaces.

Den Managern kommt die Aufgabe zu, für ihre Spaces Quotierungen vorzunehmen. Sie legen zum Beispiel die Nutzung kostenpflichtiger Services fest, die Anzahl der App-Instanzen oder den Speicher, den eine solche App-Instanz belegen darf.

Funktionsweise

Die Cloud Foundry basiert auf einer Reihe von Subsystemen, die spezialisierte Funktionen für den Nutzer ausführen. Eine der wichtigsten davon ist das Load Balancing. Die Plattform kümmert sich darum, dass immer ausreichend Ressourcen zur Verfügung stehen und der Ausfall einzelner Teile der Hardware nicht zu einer Beeinträchtigung des Services führt. BOSH, der Cloud Controller und der Gorouter sind die Systeme, die dafür verantwortlich sind. Alles läuft im Hintergrund ab, der Nutzer hat damit keinen Aufwand.

Innerhalb der Cloud Foundry laufen die Apps auf dafür vorgesehenen virtuellen Maschinen (VMs). Dabei sind die Component VMs und Host VMs zu unterscheiden. Erstere sind für die Infrastruktur der Plattform notwendig, letztere hosten die Apps für den Zugriff durch die Außenwelt. Mehrere Host VMs sind daran beteiligt, die Nachfrage zu bedienen, indem sie mehrere Instanzen der App laufen lassen. Der App-Quellcode umfasst dabei alles, was die VMs benötigen, um die Anwendungen zu kompilieren und auszuführen. In diesem Sinne sind die Apps also portierbar.

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Vorteile/Nachteile

Die grundsätzliche Idee der Cloud Foundry basiert darauf, dass sie eine Plattform für die App-Entwicklung zur Verfügung stellt, bei der die Nutzer nur noch ihre Apps und die Daten selbst verwalten. Alle anderen Aspekte wie die Laufzeit, die Middleware oder die Virtualisierung sowie Fragen bezüglich des Speichers oder des Netzwerks geben sie an den Anbieter ab. Der Nutzer ist also nur mit einem kleinen und für ihn wichtigen Teil des Technology-Stacks beschäftigt. Das entlastet ihn von einer Vielzahl von Verwaltungsaufgaben, wie sie noch beim traditionellen IT-Ansatz und auch bei IaaS bestehen. In letzterem Falle gehören die Laufzeit und die Middleware immer noch zu den Bereichen, die der Nutzer selbst verwalten muss.

Die Offenheit der Cloud Foundry Environment ist ein wesentlicher Vorteil gegenüber anderen Lösungen und das gilt auch im Vergleich zum Vorgängerangebot Neo. Letzteres unterstützt als Programmiersprache nur Javascript (Js). Bei der Cloud Foundry bestehen mit Java, Node.js und BYOL deutlich mehr Auswahlmöglichkeiten.

Die Cloud Foundry weist Nachteile insbesondere in Hinblick auf die nicht unterstützten Features auf. Das zugehört zum Beispiel das Container-to-Container Networking für den Fall, dass das Hosting der App auf Windows erfolgt. Das ist ein Nachteil, weil diese Technik die Kommunikation der App-Instanzen untereinander ermöglicht.

Besonderheiten

SAP investiert bei der Cloud Foundry an vielen Stellen in die Sicherheit. Dazu gehört, dass die Apps der Kunden ebenso wie die dazugehörigen Daten in Containern isoliert sind. Das System arbeitet mit verschlüsselten Verbindungen und es erfolgt eine strikte Zugriffskontrolle basierend auf Rollen. Alle Apps laufen auf VMs, die wiederum in einem bestimmten VLAN existieren. Der Load Balancer ist dabei der einzige Zugriffspunkt für den Zugang durch die Außenwelt. Das soll Sicherheitsrisiken von vornherein begrenzen.

Für die Entwickler von Apps spielen Faktoren wie die Uptime (verfügbare Betriebszeit) häufig eine überragende Rolle. SAP reagiert darauf mit dem Konzept der sogenannten Availability Zones (AZs) oder Verfügbarkeitszonen. Vereinfacht gesagt, besteht die Möglichkeit, die VMs in mehreren solcher Zonen laufen zu lassen und damit die Redundanz zu erhöhen.

Weiterhin haben die Nutzer die Möglichkeit, externe Load Balancer einzusetzen, die den von außen kommenden Datenverkehr effizient verteilen. Externe Blob Stores lassen sich ebenfalls verwenden. Damit besteht die Möglichkeit, Amazon S3 und ähnliche S3-kompatible externe Speicherlösungen einzusetzen. Auch in dieser Hinsicht bietet die Plattform also eine hohe Flexibilität.

Fazit

Mit der Cloud Foundry stellt SAP im Rahmen der SAP Business Technology Platform eine Entwicklungsumgebung für Apps zur Verfügung, die von vielen Verwaltungsaufgaben entlastet. Der Nutzer kümmert sich nur noch um seine Anwendungen und die Daten und gibt allen anderen Aufwand ab. Möglich ist das durch die Bereitstellung des Services über die Cloud. In der SAP-Ausdrucksweise nennt sich das auch Cloud-Befähigung. Eine automatisierte Bereitstellung ohne Änderungen am Code sowie eine flexible Infrastruktur gehören zu den weiteren Vorteilen. Damit richtet sich dieses Angebot an jeden, der die Komplexität in der Infrastruktur reduzieren möchte, die rund um seine Apps existiert.

Tobias Schießl

SAP Cloud Foundry

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FAQ

Was ist SAP Cloud Foundry?

Im Rahmen der SAP Business Technology Platform ist SAP Cloud Foundry ein von SAP für Appentwickler bereitgestelltes Platform as a System (PaaS). Hierbei wird den Entwicklern mehr Flexibilität und Quelloffenheit ermöglicht. Der Benutzer gibt dementsprechend allen zusätzlichen Aufwand wie Laufzeitenüberwachung, Virtualisierung uvm. an den Cloud-Anbieter ab und kann sich vollumfänglich auf seine Apps und die Datenverwaltung konzentrieren.

Was sind die Vor- und Nachteile von SAP Cloud Foundry?

Vorteile von SAP Cloud Foundry bestehen primär in der Entlastung der Entwickler durch die Umwälzung zusätzlichen Aufwands wie Laufzeitenüberwachung, Virtualisierung uvm. auf die Cloud-Anbieter. Zusätzlich profitieren Nutzer von einer hohen Flexibilität durch Quelloffenheit. Ein Nachteil von SAP Cloud Foundry ist das Ausbleiben einiger Features wie bspw. Container-to-Container Networking.

Tobias Harmes

Tobias Harmes

Mein Name ist Tobias Harmes und ich bin SAP Basis & Security Experte, Speaker und Herausgeber von RZ10.de. Ich helfe anderen dabei, Unternehmensdaten und Geschäftsprozesse in SAP wirksam abzusichern.

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