AppGyver

Mit AppGyver erhalten Geschäftsanwender eine No-Code-Plattform für die Entwicklung ihrer Apps. Sie richtet sich an Nutzer ohne Programmierkenntnisse, die mobile Anwendungen und Web-Apps im Baukastenprinzip erstellen möchten. Seit Anfang 2021 ist der finnische Anbieter Teil von SAP.

Was ist AppGyver?

AppGyver selbst bezeichnet sich als die weltweit erste professionelle Plattform für die App-Entwicklung ohne Code. Das Angebot verfolgt damit den Ansatz No-Code in Abgrenzung zu Low-Code oder einer Low-Code-Plattform, die immer noch gewisse Code-Kenntnisse voraussetzt. Die Idee hinter diesem Ansatz besteht darin, die Entwicklung insbesondere von mobilen Apps und Web-Apps einem größeren Nutzerkreis zu eröffnen. Die Plattform ist das Produkt eines finnischen Entwicklers, der sich frühzeitig auf No-Code spezialisiert hat. Heute gehört AppGyver zum deutschen IT-Unternehmen SAP. SAP hat die Übernahme als Teil ihres Full-Service-Angebots “RISE with SAP” durchgeführt, mit dem das Unternehmen seine Kunden bei der digitalen Transformation unterstützen möchte.

Wie funktioniert die Plattform?

Die Erstellung einer Anwendung erfolgt mit AppGyver im Composer Pro und dort im sogenannten App Builder. Hier erhält der Nutzer Zugriff auf die Elemente, aus denen er die App aufbauen kann. Insgesamt bietet der Composer über 500 Kernbausteine an, aus denen der Nutzer seine App zusammensetzt. Es ist auch möglich, eigene Bausteine zu definieren. Zu den verwendbaren Bausteinen gehören Buttons, Bilder, Eingabefelder für Passwörter und Checkboxen sowie viele weitere. Der Nutzer fügt die gewünschten Elemente ein und sieht auf dem View Canvas genannten Bereich, welches optisches Erscheinungsbild seine App bisher besitzt. Auf diese Weise ist eine Entwicklung ganz ohne Programmierkenntnisse möglich. Das Hinzufügen der Elemente erfolgt per Drag and Drop.

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Mit den verfügbaren Bausteinen deckt Composer Pro eine Vielzahl von denkbaren App-Szenarien ab. Damit sollen sich im Prinzip Anwendungen beliebiger Art erstellen lassen. Reichen die vorhandenen Bausteine nicht aus, kann der Nutzer eigene definieren. Diese lassen sich mit anderen Anwendern teilen. Durch diesen Austausch in der Anwendergemeinde soll sich der Nutzen der Plattform zusätzlich steigern. Technologisch basieren die im Dashboard erstellen Anwendungen auf React und React Native. Damit ist es möglich, native iOS- und Android-Apps zu entwickeln.

Die Logik-Funktionen im Überblick

Ein weiterer wichtiger Aspekt von AppGyver betrifft die Logik-Funktionen. Composer Pro bietet dem Nutzer die Möglichkeit, beliebige Beziehungen zwischen den Elementen herzustellen und die Logik der Anwendung auf rein visuelle Weise zu erstellen. Auch hier sind keine Programmierkenntnisse erforderlich. Daher muss der Anwender zum Beispiel keine bestimmte Syntax lernen. Das soll dabei helfen, die Entwicklungszeit für Apps zu verkürzen. Ein Beispiel ist die Registrierung einer Benutzereingabe, die dann automatisch zum Erfassen eines QR-Codes über die Kamera und die Erstellung eines dazugehörigen Datensatzes führt.

Datenintegration

Composer Pro ist um Datenintegrationen und Datentransformationen herum aufgebaut. So erhält der Nutzer zum Beispiel die Möglichkeit, seine eigenen Integrationen hinzuzufügen. Außerdem stehen vorgefertigte Integrationen zur Verfügung, um einen schnelleren Einstieg in die Entwicklung zu ermöglichen. Die App kann direkt an das eigene Backend angebunden werden. Auf diese Weise muss der Nutzer keinen Umweg über die Server von AppGyver gehen. Es erfolgt also kein Lock-in in eine Serverumgebung des Anbieters. Eigene Lösungen für den Datenaustausch kann der Nutzer auf Basis von NoSQL-Datenbanken entwickeln.

Der Formel-Editor

Die Plattform setzt auf einen leistungsstarken Algorithmus-Editor. Dieser basiert auf Formeln im Spreadsheet-Stil in Kombination mit einem vollständigen Anwendungskontext. Der Editor soll es dem Nutzer erleichtern, verschiedene Formeln für die Datentransformation und Daten wie etwa die Gerätedaten und viele andere zusammenzubringen. Im Prinzip ist es möglich, mit geringem Aufwand hunderte Formeln miteinander zu kombinieren. Typische Anwendungsfälle sind die Konvertierung von Daten aus Eingabefeldern in ein lokales Format, die Distanzberechnung aus GPS-Daten oder die Vorhersageanalyse anhand von historischen Daten. Im E-Commerce-Umfeld ist die Berechnung des Werts aller Artikel in einem Warenkorb nützlich. AppGyver bietet also die notwendigen Schnittstellen für die Datenintegration und gleichzeitig mit dem Formel-Editor die Möglichkeit, in einem zweiten Schritt produktiv mit diesen Daten zu arbeiten.

Voraussetzungen

Die Plattform stellt nur geringe Anforderungen an die Entwicklung und Veröffentlichung der Apps. So ist es zum Beispiel nicht erforderlich, ein bestimmtes Betriebssystem zu verwenden, um die App für Zielsysteme wie iOS oder Android bauen zu können. Für die Kompilierung des Codes ist keine spezielle Software erforderlich. Die Code-Kompilierung erfolgt stattdessen innerhalb des Cloud-Services des Anbieters. Damit ist eine praktisch vollständig vom verwendeten System unabhängige Entwicklung der Anwendungen möglich.

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Der Nutzer fragt die fertige App aus dem Cloud-Service an. Ebenso einfach ist die Veröffentlichung in den einschlägigen Stores wie dem App Store von Apple oder dem Google Play Store. Hierfür stehen die erforderlichen Funktionen ebenfalls bereit, um dem Anwender diesen Schritt zu erleichtern. Bei Bedarf ist es möglich, eigene Deployment-Pipelines zu definieren, um die Veröffentlichungen zu beschleunigen und dem eigenen Bedarf anzupassen.

Vorteile und Nachteile der Plattform

Die Vorteile der No-Code-Plattform sind in erster Linie in den nicht benötigten Programmierkenntnissen zu sehen. Das bietet Unternehmen mehr Flexibilität beim Einsatz ihrer Arbeitskräfte. Während für die Erstellung der Applikationen bisher nur Mitarbeiter mit Programmier-Hintergrund infrage kamen, können sich nun mehr Mitarbeiter zum Beispiel aus dem Vertrieb oder anderen Abteilungen ebenfalls an der App-Entwicklung beteiligen. Für die Unternehmen eröffnet sich die Möglichkeit, die eigenen Kräfte schneller in die Entwicklung einzuarbeiten.

Zudem beschleunigt die Plattform die Entwicklung neuer Apps und deren Anpassung. Grund hierfür sind im Wesentlichen die vielen vordefinierten Elemente, mit denen der Nutzer arbeiten kann. Viele Funktionen, die eine App besitzen muss, wiederholen sich, entsprechende Lösungen liegen innerhalb der Nutzergemeinschaft bereits vor. Auf diese Weise erhält der Anwender Zugriff und kann damit seine eigene Entwicklungstätigkeit beschleunigen.

Ein Nachteil dieser Plattform besteht in der geringeren Flexibilität in Hinblick auf die konkrete Gestaltung der App. Es ist mit dem No-Code-Ansatz nicht möglich, vollständige Freiheit bei der Entwicklung einer App zu erlangen. Letztlich bleibt der Nutzer auf die vordefinierten Elemente beschränkt, auch wenn er diese frei miteinander kombinieren kann. Die Plattform ist daher vor allem für Apps mit geringer bis mittlerer Komplexität geeignet. Nachteile können sich bei hochkomplexen Anwendungen ergeben, die eine sehr spezielle Anpassung der Funktionen an die gestellten Anforderungen notwendig machen.

No-Code im Unterschied zu Low-Code

Ein weiterer potenzieller Nachteil besteht im No-Code-Ansatz darin, dass für den Anwender keine Coding-Hintertür offensteht. Low-Code ist in Teilen ebenfalls ohne Programmierkenntnisse verwendbar, bei Bedarf lässt sich jedoch zusätzlich eigener Code schreiben und der Anwendung hinzufügen. Diese Hintertür steht bei dieser Plattform nicht offen, hier ist das Schreiben von eigenen Codes grundsätzlich nicht vorgesehen. Entsprechend stehen keine Funktionen für das Coding zur Verfügung. Wer sich also für diesen Ansatz entscheidet, kann nicht so einfach zum Coding zurückkehren. Das kann in einigen Anwendungsfällen ein Nachteil sei, da es die Flexibilität im Vergleich zu einer Low-Code-Plattform einschränkt.

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Fazit

Die hier vorgestellte No-Code-Plattform ermöglicht es Geschäftskunden, Anwendungen per Drag and Drop im Baukastenprinzip zu erstellen. Mithilfe von AppGyver lassen sich Anwendungen für Mobilgeräte ebenso wie Web-Apps einfacher und schneller entwickeln. Die Plattform verfolgt dafür konsequent einen No-Code-Ansatz. Das ist interessant für Nutzer, die Freiheit bei der Gestaltung ihrer Applikationen wünschen, gleichzeitig aber keine Programmierkenntnisse mitbringen. Dank AppGyver soll das auch nicht mehr erforderlich sein. Wer bereits mit SAP arbeitet, erhält hiermit ein weiteres Werkzeug für seine digitale Transformation. Das IT-Unternehmen hat seinen Kunden bereits in der Vergangenheit durch die Mendix Tech BV Services für Low-Code anbieten können. Mit dieser Plattform kommt nun ein wichtiges No-Code-Angebot hinzu.

Tobias Schießl

AppGyver

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FAQ

  • Was ist AppGyver?

AppGyver bezeichnet sich selbst als die weltweit erste professionelle Plattform für die Anwendungsentwicklung ohne Code.

  • Zu wem gehört die Plattform AppGyver?

Die Plattform ist das Produkt eines finnischen Entwicklers. Heute gehört AppGyver zum deutschen IT-Unternehmen SAP.

  • Wie funktioniert die Plattform AppGyver?

Die Erstellung der Anwendung erfolgt mit AppGyver im Composer Pro und dort im sogenannten App Builder. Hier erhält der Nutzer Zugriff auf die Elemente, aus denen er die App aufbauen kann. Insgesamt bietet der Composer über 500 Kernbausteine an, aus denen der Nutzer seine App zusammensetzt.

  • Welche Voraussetzungen braucht man für die Nutzung von AppGyver?

Die Plattform stellt nur geringe Anforderungen an die Entwicklung und Veröffentlichung der Apps. Für die Kompilierung des Codes ist keine spezielle Software erforderlich.

Tobias Schießl

Tobias Schießl

Mein Name ist Tobias Schießl und ich bin begeisterter SAP Consultant im Bereich Mobility. Gerne unterstütze ich Sie bei den Themen mobile Infrastrukturen und App-Entwicklung mit SAPUI5 oder Neptune.

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