Mendix

Low-Code-Development ist der neueste Trend in der Welt der App-Entwicklung. Mendix ist eine in diesem Bereich f√ľhrende Low-Code-Plattform, die die Entwicklungs- und IT-Abteilungen entlasten soll, indem sie die Erstellung von Unternehmensanwendungen nicht nur beschleunigt, sondern auch f√ľr technisch weniger versierte Programmierer zug√§nglich macht.

Low Code Development ‚Äď Programmieren f√ľr Laien?

Die Bezeichnung Low Code Development ist noch relativ neu. Erst 2016 wurde sie unter anderem in einer Publikation des US-amerikanischen Marktforschungsunternehmens Forrester verwendet. Seitdem ist Low Code Development auch der √Ėffentlichkeit ein Begriff.

L√§nger als die Bezeichnung existiert allerdings das Konzept. Schon in den 90er Jahren gab es einige Ans√§tze, mit denen versucht wurde, das Programmieren von Apps durch den Verzicht auf umfassendes Code-Schreiben auch weniger erfahrenen Entwicklern m√∂glich zu machen. Diese Plattformen liefen unter dem Begriff ‚ÄěRapid Application Development‚Äú, kurz RAD.

Heutige Low-Code-Plattformen liefern meist einen visuellen Ansatz zur App-Entwicklung. Die Entwicklungsumgebung stellt die Elemente der sp√§teren Anwendungen quasi wie eine Kiste mit Baukl√∂tzen zur Verf√ľgung. Mittels Drag-and-Drop k√∂nnen Entwickler verschiedener Erfahrungsstufen die Benutzeroberfl√§che so aus vorgegebenen UI-Elementen (User-Interface-Elementen) zusammenbauen und diese sp√§ter mit Funktionalit√§t anreichern ‚Äď ohne oder mit nur wenig selbst geschriebenem Code.

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Diese erh√∂hte Geschwindigkeit ist vor allem sinnvoll, um schnell Prototypen zu erstellen, die dann den Nutzern pr√§sentiert werden k√∂nnen. Auch kann der Kunde durch dieses ‚ÄěBaukl√∂tze-System‚Äú leichter in den Entwicklungsprozess mit einbezogen werden und die App so zu einem gewissen Grad nach seinen Vorstellungen aktiv mitgestalten.

Low-Code-Plattformen sind oft als ‚ÄěApplication Platform as a Service‚ÄĚ (APaaS) konzipiert, also als Cloud- oder Web-Dienst, der s√§mtliche Schritte der Entwicklung, von der Pr√§sentation bis zur Datenverarbeitung und Authentifizierung, abwickeln kann. H√§ufig hat das allerdings den Nachteil, dass sich der Nutzer an diesen Dienst binden muss ‚Äď Exporte aus anderen Systemen sind meist nicht m√∂glich.

Trotzdem beseitigen Low-Code-Plattformen einen Aspekt der Entwicklung, der unter normalen Bedingungen die meiste Zeit in Anspruch nimmt: repetitive Programmieraufgaben. Durch den Wegfall dieser können Entwickler ihren Fokus auf die Prozesse und Funktionalitäten statt auf das Coding legen.

Innerhalb des breiten Spektrums verschiedener Low-Code-Plattformen gibt es gewaltige Unterschiede in der Qualität der Plattformen.

Was zeichnet eine gute Low-Code-Plattform aus?

Ist die Entscheidung f√ľr eine bestimmte Plattform erst einmal gefallen, ist ein erneuter Wechsel aufgrund der oben genannten APaaS-Eigenschaft vieler Plattformen nicht oder nur bedingt m√∂glich. Aus diesem Grund sollten sich Entscheider gut √ľber die technischen Eigenschaften und Besonderheiten der Plattform informieren, bevor sie sich festlegen.

Die folgenden 6 Kriterien sollten bei der Auswahl einer Plattform ber√ľcksichtig werden.

Sicherheit

Aufgrund der Datenmenge, die Unternehmen in die Plattform einspeisen, ist der erste Punkt offensichtlich: Die Sicherheit der Daten muss gew√§hrleistet sein. Das ist umso wichtiger, je sensibler die Daten sind, die f√ľr die jeweilige Anwendung relevant sind.

Skalierbarkeit

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Skalierbarkeit, also die F√§higkeit der Anwendung, zu wachsen. Hier sollten sich Entscheider die Frage stellen, ob die Anwendungen den auf sie zukommenden komplexen Anwendungsszenarien gewachsen sind, oder ob die Daten im schlimmsten Fall wieder umgelagert werden m√ľssen. Die meisten etablierten Plattformen sind in diesem Bereich aber gut aufgestellt.

Visual Development per Drag & Drop

Die Plattform sollte anwenderfreundlich sein, damit sie auch Laien problemlos verwenden können. Hier ist das oben beschriebene Drag-and-Drop-Prinzip von zentraler Bedeutung. Es ermöglicht es dem Entwickler, sich auf die Gestaltung und Funktion der App zu konzentrieren.

Interoperabilität mit Drittanbietern

Auch dieser Punkt wurde oben bereits angerissen. Die Low-Code-Plattform sollte keine Insell√∂sung sein, die vollst√§ndig von anderen Diensten und der Interaktion mit diesen abgekapselt ist. Vielmehr sollte sie eine Vielzahl an Datenquellen wie eigene Unternehmensserver oder Drittanwendungen wie SAP, Oracle oder Outlook unterst√ľtzen, damit der Entwicklungsprozess m√∂glichst reibungslos ablaufen kann.

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Unterst√ľtzung von mobilen Anwendungen

Eine Plattform muss heutzutage in der Lage sein, Anwendungen auf g√§ngigen App-Plattformen wie dem Apple- oder dem PlayStore zu ver√∂ffentlichen. Andererseits bietet auch die mobile Verwendung der Low-Code-Plattform selbst den Vorteil, dass Entwickler problemlos jederzeit von √ľberall auf diese zugreifen k√∂nnen.

Wiederverwendbarkeit

Ein weiteres Feature, auf das Entscheider bei der Auswahl der passenden Low-Code-Plattform achten sollten, ist die Wiederverwendbarkeit bestimmter Elemente im ganzen Unternehmen. Darunter fallen Vorlagen, Plug-Ins oder Widgets, die ein Entwickler nach ihrer Erstellung so speichern können sollte, dass seine Nachfolger ebenfalls darauf zugreifen können. Die Wiederverwendbarkeit kann somit Zeit sparen, die dann in wichtigere Problemstellungen investiert werden kann.

Was ist Mendix?

Mendix ist nach Forrester und Gartner einer der Marktf√ľhrer im Bereich Low-Code-Development und bietet komplette Makro- und Mikroentwicklung an. Dabei nutzt Mendix die Anbindung an offene Standards wie BPMN (Business Process Model and Notation), UML (Unified Modeling Language) oder OData (Open Data), und ist somit keine abgekapselte Insell√∂sung.

Mendix stellt Anwendern eine Entwicklungsumgebung zur Verf√ľgung, in der sie Apps entwickeln, bereitstellen, testen und verwalten k√∂nnen, die dann sowohl auf iOS- als auch auf Android-Ger√§ten laufen. Komponenten des Domain-Models, der Logik und der Benutzeroberfl√§che k√∂nnen in Mendix-Anwendungen abgelegt und sp√§ter von anderen Entwicklern wiederverwendet werden.

Dadurch, dass Mendix das Konzept des Multi-User-Development unterst√ľtzt, k√∂nnen zeitgleich mehrere Entwickler transparent in einer App arbeiten und sich abstimmen.

Es gibt verschiedene Versionen der Plattform, die sich nach den verschiedenen Professionalit√§tsgraden der Entwickler richten. Mendix Studio richtet sich als No-Code-Plattform an Laien, w√§hrend sich Mendix Studio Pro f√ľr professionelle Entwickler eignet.

Mendix Studio

Studio ist eine No-Code-Plattform, die sich an sogenannte Citizen-Developer richtet, also an Personen ohne besondere Kenntnisse in der Entwicklung. Deswegen ist bei der Entwicklung in der No-Code-Umgebung das Schreiben von Code vollständig hinfällig. Meist entwickeln Nutzer mit Mendix Studio ihre erste App. Die Entwicklungsumgebung ist dabei zielgruppenspezifisch, intuitiv und visuell ausgerichtet.

Mendix Studio

Abbildung 1: Mendix Studio

Das, was den Citizen-Developern an Erfahrung mit professioneller Programmierung fehlt, gleichen sie mit ihrem Verständnis von Geschäftsfaktoren, -zielen und -prozessen aus. Mit Mendix Studio können sie Apps entwickeln, die entweder tatsächlich genutzt werden, oder professionellen Entwicklern als Grundlage zum Weiterarbeiten dienen können.

Die Seiten, die mit Studio entworfen werden, zeichnen sich durch responsives Design aus, d. h., dass sie sich automatisch an den jeweiligen Bildschirm anpassen ‚Äď sei es der Desktop, das Tablet oder das Mobiltelefon.

Mendix Assist, ein mit k√ľnstlicher Intelligenz ausgestatteter Agent, unterst√ľtzt Anwender bei der Konfiguration von Microflows. Microflows sind eine visuelle Ausdrucksform dessen, was normalerweise in Code wiedergegeben werden w√ľrde. So kann ein Microflow beispielsweise Objekte erstellen oder ver√§ndern, Seiten anzeigen und Entscheidungen treffen.
In Studio liefert Mendix Assist dem Citizen-Developer au√üerdem Empfehlungen und Vorschl√§ge f√ľr die n√§chsten Schritte und sichert die Qualit√§t der Anwendungen.

Mendix Studio Pro

Studio Pro richtet sich als leistungsstarke, visuelle und modellbasierte Low-Code-Umgebung an professionelle Entwickler. Diese k√∂nnen umfassende und komplexe Anwendungen erstellen und m√ľssen daf√ľr nur wenig Code schreiben. Besonders zeitintensive Aufgaben werden hier von der Umgebung √ľbernommen, sodass sich die Entwickler auf √ľbergeordnete Aufgaben konzentrieren k√∂nnen.

Programmierer m√ľssen in Mendix nur wenig Code schreiben, k√∂nnen diesen Anteil aber auch ausweiten. So ist es beispielsweise m√∂glich, Apps mit individuellem Code oder wiederverwendbaren Komponenten zu erweitern und an individuelle Anforderungen anzupassen.

Mendix Assist fungiert in Studio Pro als Co-Programmierer, der die n√§chsten Schritte voraussagt, Logikabl√§ufe √ľberpr√ľft und Fehler aufdeckt.

Mit Studio Pro kann also die Produktivität und Effizienz des Entwicklers gesteigert und die Kosten- und Zeitbelastung durch Fehler reduziert werden.

Mendix Studio und Studio Pro ermöglichen eine nahtlose Zusammenarbeit zwischen Experten und technisch weniger versierten Entwicklern. So lassen sich beispielsweise die einzelnen Entwicklungsschritte zwischen Studio und Studio Pro problemlos hin und her tauschen. Außerdem gewährleistet dieses Verfahren eine hohe Transparenz und Effizienz, da Entwickler und Fachabteilung die gleichen Ziele verfolgen.

SAP und Mendix

Mendix arbeitet seit 2017 auch mit SAP zusammen, wobei die Mendix-Plattform in die SAP HANA Datenbank integriert werden soll. Diese kann dann auch als Prim√§rdatenbank f√ľr die Low-Code-Anwendungen genutzt werden. Besonders in Bereichen, in denen gro√üe Datenmengen in kurzer Zeit verarbeitet werden m√ľssen, beispielsweise bei k√ľnstlicher Intelligenz oder IoT-Anwendungen (Internet of Things), verspricht dieser Zusammenschluss aufgrund der Leistungsst√§rke der HANA Datenbank Vorteile.

Fazit

No/Low-Code-Development scheint die Zukunft der Programmierung zu sein, denn es befähigt Citizen-Developer mit geschäftlichem Knowhow, einfach per Drag-and-Drop Apps zu entwickeln, die sie auch wirklich brauchen und verwenden können. Auf der anderen Seite werden professionelle Entwickler von repetitiven wenig kreativen Programmieraufgaben befreit und können ihre Energie eher in die wesentlichen Teile der Entwicklung investieren.

F√ľhrend im Bereich Low-Code erf√ľllt Mendix die wichtigsten Kriterien, die eine gute Plattform ausmachen, darunter Unterst√ľtzung von mobilen Anwendungen, Wiederverwendbarkeit und Visual Development per Drag-and-Drop. Mit Studio und Studio Pro liefert Mendix sowohl f√ľr Anf√§nger als auch f√ľr Profis jeweils eine Plattform. Mit der Integration in die HANA-Datenbank im Rahmen der Zusammenarbeit mit SAP verspricht Mendix zuk√ľnftig sehr komplexe Projekte, z. B. im Bereich Machine Learning, realisieren zu k√∂nnen.

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Low-Code-Development gemacht und möchten diese mit uns teilen oder offenen Fragen klären? Kontaktieren Sie uns gerne!


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2 Kommentare zu "Mendix"

Thomas Theissen - 14. Januar 2020 | 11:20

Wie kann ich mit Hilfe von Mendix eine Anwendung ohne Code erstellen?

Antworten
Tobias Schießl - 15. Januar 2020 | 21:34

Hallo Herr Theissen,
danke f√ľr Ihre Frage. Mendix bietet mit Mendix Studio eine visuelle Entwicklungsumgebung f√ľr Prozessexperten. In dieser k√∂nnen Sie beispielsweise Oberfl√§chlich √ľber einen Drag&Drop Editor aus vorgefertigten Elementen zusammenbauen oder Prozesse in Form von Microflows grafisch modellieren. Auch einfache Interaktionen des Anwenders wie der Wechsel zwischen verschiedenen Seiten k√∂nnen damit angefangen werden. Es ist allerdings zu beachten, dass komplexere Anwendungen dann oft dennoch eigenes Coding erfordern. Daf√ľr bietet Mendix Studio Pro, welches sich an Entwickler richtet. Eine komplette Anwendung ohne eigenes Coding ist somit zwar m√∂glich, bei umfangreicheren Anwendungen werden Sie mit diesem Ansatz jedoch fr√ľher oder sp√§ter an eine Grenze sto√üen.
Viele Gr√ľ√üe,
Tobias Schießl

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