Tobias Schießl
21. April 2022

Wareneingang im SAP-System optimieren: Verpackungsgesteuerte Logistik mit aktivem Handling Unit Management (HUM)

Wareneingang optimieren

Mit dem Handling Unit Management (HUM) können Sie physische Einheiten aus Gütern und ihre Verpackungen definieren und verwalten. In diesem Blogbeitrag beantworten wir was genau ein Handling Unit Management ist, wie Sie Handling Units erzeugen und buchen, welche Einschränkungen der SAP-Standard aufweist und wie Sie den Anlieferungsprozess optimieren können.

Was bedeutet Handling Unit Management?

Mit einem Handling Unit Management (HUM) werden alle Warenbewegungen über Handling Units (HUs) abgebildet und dadurch Materialien rückverfolgbar gemacht. Voraussetzung hierfür sind eine entsprechende Verpackungsfunktionalität im Versand und in der Lagereinheitenverwaltung, die von SAP speziell für diesen Fall erweitert wurde. Das HUM können Sie pro Werk/Lagerort aktivieren.

Erzeugung einer HU und Buchung des Verbrauchs

Handling Units (HUs) fassen einzelne Güter zusammen, z. B. in Kartons oder Containern. Beim Verpacken in der Anlieferung erhält jede HU eine eindeutige Identifikationsnummer. Generieren Sie diese möglichst gemäß eines Standard wie EAN 128 oder SSCC. Für die Lagerlogistik reicht der Scan der Identifikationsnummer, um alle darin enthaltenen Positionen zu erfassen.

Die beim Verpacken verbrauchten Einsatzstoffe und Komponenten können Sie über die Transaktion COWBHUWA direkt am Bildschirm erfassen. Die Transaktion ist nicht mehr Teil der Standard-Rückmeldetransaktionen. Die Buchung basiert auf den HUs, die dem Auftrag zugeordnet wurden. HUs, die bereits zur Lieferung kommissioniert wurden, werden der Lieferung direkt zugeordnet.

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Welche Einschränkungen in den Standardfunktionalitäten gibt es?

Folgende Punkte können sich negativ auf Ihre Betriebsabläufe auswirken oder Mehraufwand verursachen:

Kein Produktionsnachschub über die Kommissionierteilabwicklung möglich

Dies ist der Fall, wenn Sie Einsatzstoffe/Komponenten in HU-geführten Lagerorten lagern, die Fertigung aber über einen nicht HU-pflichtigen Lagerort abwickeln wollen, weil Sie retrograd entnehmen wollen (Buchung nach der Entnahme von Komponenten).

Keine Rückmeldung der Charge

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie möchten an einem HU-geführten Lagerort für ein chargenpflichtiges Material eine Teilentnahme aus einer HU machen und die Restmenge einem anderen Werksauftrag zuordnen. In diesem Fall muss die Charge im Vorfeld im Auftrag/der Reservierung für dieses Material eingetragen sein. Anders als bei der Transportauftragsquittierung findet hier keine Rückmeldung der Charge an den Werksauftrag statt. Auch die Reservierung wird nicht fortgeschrieben. Wenn Sie regelmäßig Teilentnahmen vornehmen, entsteht hier ein Aufwand für das Löschen der (Neu-) Zuordnung.

Keine ungeplanten Materialentnahmen

Sie können mit der Transaktion COWBHUWA kein Material ungeplant entnehmen. Ungeplante Materialentnahmen sind über die Standard-Rückmeldetransaktionen in der Komponente PP/PPS möglich.

Ebenfalls nicht möglich ist das Einstellen einer Einlagerungsstrategie für die Produktionsversorgungsbereiche (PVBs). Das führt zu dem Nachteil, dass Sie für Rohmaterial oder Rohstoffe, die Sie direkt in der Fertigung in Produktionsversorgungsbereichen lagern wollen, keine automatischen Transportaufträge anlegen können.

Wie Sie den Anlieferungsprozess im SAP-Standard optimieren können

Bei aktivem HUM buchen Sie den Wareneingang ausschließlich über den Anlieferungsprozess, der sich in mehrere Schritte unterteilt, siehe unten. An zwei Stellen finden Sie Vorschläge, wie Sie den SAP-Standard optimieren können.

  1. Anlegen der Anlieferung zur Bestellung
  2. Verpacken in HUs

Der SAP-Standard gibt vor, dass eine Anlieferung stets voll verpackt sein muss, um anschließend mobil Transportaufträge erstellen zu können. Es gibt jedoch weder eine mobile Transaktion, mit der Sie Anlieferungen in Teilmengen manuell in HUs verpacken können noch eine Transaktion, mit der Sie im Anschluss für die HU automatisch einen Transportauftrag zur Einlagerung erstellen können.

Die Vorgabe, dass eine Anlieferung stets voll verpackt sein muss, entspricht allerdings in den seltensten Fällen der Realität. Viele Unternehmen wollen nur die Waren buchen, die auch physisch im Wareneingang angekommen sind und das Verpacken unter Angabe der tatsächlichen Mengen mithilfe mobiler Apps vornehmen. Um die Einschränkung im SAP-Standard zu umgehen, ist es also sinnvoll, eine individuelle Lösung zu entwickeln.

3. Anlegen der Transportaufträge zur Einlagerung

Ab diesem Schritt wird der Prozess im SAP-Standard mobil unterstützt. Es gibt jedoch einen Nachteil: Während Sie Transportaufträge erstellen, können Sie Parameter wie die Verpackungsmenge, den Ladungsträger oder den Nachlagertyp und -platz nicht einsehen oder ändern. Um die Nach-Daten vor der Verbuchung ändern zu können und diesen Schritt zu optimieren, können Sie eine mobile Transaktion entwickeln, mit der Sie Einzeltransportaufträge anlegen können.

4. Quittierung der Transportaufträge
5. WE-Buchung zur Anlieferung

Fazit

Den Wareneingang können Sie mithilfe von Handling Unit Management (HUM) organisieren. HUM steht für eine verpackungsgesteuerte Logistik, mit der eine Rückverfolgung von Materialien möglich ist. Handling Units (HU) bilden logistische Abläufe ab und vereinfachen so die Abwicklung von Warenbewegungen. Den Einschränkungen, die der SAP-Standard an einigen Stellen aufweist, können Sie mit zusätzlich entwickelten Transaktionen entgegenwirken und so den Prozess optimieren.

Sie haben weitere Fragen, wie Sie den Wareneingang optimieren können? Kontaktieren Sie mich gerne.

Weitere Beiträge aus dieser Blogreihe finden Sie hier:

Tobias Schießl

Tobias Schießl

Mein Name ist Tobias Schießl und ich bin begeisterter SAP Consultant im Bereich Mobility. Gerne unterstütze ich Sie bei den Themen mobile Infrastrukturen und App-Entwicklung mit SAPUI5 oder Neptune.

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