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Was ist SAP Fiori?

Fiori ist ein neues Designkonzept, das die Benutzererfahrung von SAP Anwendungen vereinfacht und personalisiert.

SAP war viele Jahrzehnte bekannt für seine wenig attraktiven und wenig übersichtlichen Software-Oberflächen. Mit Fiori erhalten SAP Anwendungen nun eine mit Consumer Apps vergleichbare Benutzerfreundlichkeit.

Früher waren die SAP-Oberflächen mit Funktionen überladen. Nutzer brauchten lange Einarbeitungszeiten und hatten Mühe sich zurecht zu finden.

Heute bieten (verschiedene) SAP-Anwendungen den gleichen Funktionsumfang, doch die Oberflächen sind klar und aufgeräumt. Sie sind auf die jeweilige Rolle des Anwenders zugeschnitten und zeigen nur die benötigen Funktionen.

E-Book SAP Fiori

SAP Fiori Design Guidelines

Fiori schafft eine einheitliche, rollenspezifische und intuitive User Experience über die verschiedenen Unternehmensanwendungen hinweg. Unabhängig von den verwendeten Endgeräten. Das Designkonzept wird mithilfe des SAPUI5 Framework umgesetzt und ist kompatibel mit allen SAP- Anwendungen der neueren Generation.

Waren zunächst nur eine Handvoll Applikationen im Fiori Design gehalten, entwickelt sich das Designkonzept nach und nach zum neuen Standard. Es ist mittlerweile für zahlreiche SAPUI5-Anwendungen verfügbar sowie für Applikationen der SAP Business Suite 4 SAP HANA (SAP S/4HANA), SAP SuccessFactors Anwendungen, mobile Ariba-Anwendungen u.a.

Das Fiori Designkonzept basiert auf fünf Kernprinzipien:

  • Rollenbasiert: Es sind über die Home Page nur für die Rolle und Position des Anwenders definierte Applikationen zugänglich.
  • Anpassungsfähig: Fiori passt sich automatisch an die verschiedenen Nutzugsszenarien an. Es lässt sich zum Beispiel responsiv auf mobilen Endgeräten ebenso wie auf stationären Computern nutzen und ist geeignet für alle Betriebssysteme und Browser.
  • Einfach: Das Design erleichtert die Konzentration auf die wichtigsten Aufgaben, Funktionen und Aktivitäten.
  • Kohärent: Fiori kann für alle Unternehmensanwendungen eingesetzt werden. So wird eine konsistente Benutzererfahrung geschaffen – ob bei der Erfüllung von Kundenaufträgen, der Überprüfung aktueller Kennzahlen oder der Verwaltung von Urlaubsanträgen.
  • Ansprechend: Das intuitive, benutzerfreundliche Designkonzept verbessert die Arbeitserfahrung der Anwender und trägt zur Motivation und damit zu höherer Produktivität bei.

Mit dem Designkonzept verbunden ist auch die Einführung des 1-1-3-Prinzips. Dies meint den informationsarchitektonischen Ansatz, dass jede Anwendung einen speziellen Business Use Case für genau eine spezifische Benutzergruppe mit Hilfe von maximal drei Navigationsschritten abbilden soll.

Vorteile von Fiori

Mit der Veröffentlichung von Fiori im Jahr 2013 hat SAP einen Paradigmenwechsel vollzogen: Das Unternehmen richtet seinen Fokus nicht länger auf Features und Funktionen, sondern auf die Nutzer und ihre Arbeitserfahrung mit der entwickelten Technologie. Das Ziel von Fiori ist, die Anwendung der SAP-Software zu vereinfachen und dem Einzelnen sowie Teams eine effektivere, schnellere und bessere Zusammenarbeit zu ermöglichen.

Denn gelungene Usability hat sich zu einem erfolgskritischen Unternehmensfaktor entwickelt. Da kaum ein Geschäftsprozess mehr ohne digitale Anwendungen auskommt, entscheidet die Benutzerfreundlichkeit zunehmend über den wirtschaftlichen Erfolg und Misserfolg eines Unternehmens.

Zunächst erzeugen Anwendungen, die intuitiv nutzbar und ansprechend gestaltet sind, eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit. Dies wiederum fördert die Produktivität und Qualität der Arbeitsergebnisse. Doch Fiori geht über das reine Design hinaus. Das dahinterstehende UX-Konzept ermöglicht es Anwendern ihre Aufgaben in wenigen Schritten, von jedem stationären oder mobilen Endgerät zu erledigen. Warte- und Transferzeiten entfallen, da Eingaben nun direkt vor Ort erfolgen können. Auf diese Weise wird die Fehlerquote, die Zahl der Change Requests und insgesamt die Prozessdauer nachhaltig gesenkt werden.

Gleichzeitig kann das Unternehmen aufwändige und kostenintensive Schulungen sparen und die Unternehmensstrategie mithilfe der rollenbasierten und kohärenten Anwendungen noch besser über die IT abbilden.

Herrschte früher unter den Mitarbeitern Skepsis bei der Einführung von Software und Unwillen, sich in diese einzuarbeiten, profitieren sie nun direkt in ihrem Arbeitsalltag – nicht nur das Unternehmen gewinnt, das sich aus strategischen Überlegungen für die neue Technologie entschieden hat. Eine Win-Win-Situation.

SAP Fiori Unternehmensvorteile im Überblick

Fiori 2.0

Zwei Jahre nach der Veröffentlichung von Fiori stellten die Walldorfer Entwickler die nächste Stufe in der Evolution von Fiori vor: Fiori 2.0. Es treibt das Designkonzept weiter voran. SAP wurde für diese Entwicklung 2015 mit dem RedDot Design Award ausgezeichnet. Es wird das Design für SAP Anwendungen der neuesten Generation, sowohl im OnPremise als auch im Cloud-Umfeld.

Fiori 2.0 wurde in Zusammenarbeit mit Anwendern entwickelt. Es fokussiert noch stärker auf die Arbeitsweise der Nutzer. Ziel ist es, Anwender dabei zu unterstützen, sich auf ihre wesentlichen Aufgaben zu konzentrieren, ohne andere Aufgaben ganz aus dem Blick zu verlieren.

Das Fiori Launchpad wurde optimiert und bietet nun mehr Flexibilität bei gleichzeitig besser Nutzerführung. Die neue Homepage ist personalisiert und aggregiert in Echtzeit Kontextinformationen aus den verschiedenen Business Anwendungen und Analytics. Sie bündelt Daten aus unterschiedlichen Technologien und funktioniert übergreifend über die verschiedenen Unternehmensbereiche.

Die Analytics Tools liefern übersichtliche Reports und Visualisierungen dort, wo Anwender die Informationen benötigen. Sie gliedern sich in die einzelnen Applikationen des Geschäftsprozesses nahtlos ein und liefern dabei Kontext aus Daten anderer Transaktionen. Anwender können sich schnell individuelle Sichten erstellen, indem sie die Kennzahlen über Filter oder grafische Markierungen auswählen.

Eine weitere wesentliche Mit Fiori 2.0 wurde das Viewport-Konzept eingeführt: Damit wird die Desktop-Ansicht nach links und rechts erweitert. Während die Benutzer links auf einen persönlichen Bereich („Me Area“) zugreifen können, haben sie die Benachrichtigungen auf der rechten Seite weiterhin im Blick.

Außerdem wurden neue Discovery Features (App Finder), Navigationsoptionen und verbesserte Produktivitätstools integriert. Das Menü für die globalen und anwendungsspezifischen Einstellungen wurde angepasst und ist nun jederzeit mit wenigen Klicks erreichbar.

Das visuelle Erscheinungsbild mit dem Namen Belize ist der Nachfolger des Themes Blue Crystal. Es ist in hellen und dunklen Varianten verfügbar. Die Designer legten besonderen Wert auf Mikrointeraktionen und Typographie, um die User Experience noch angenehmer zu gestalten.

Fiori 2.0 setzt auf ein flexibles Spaltenlayout. Auf diese Weise können bis zu drei Panels nebeneinander auf einer einzigen Seite angezeigt werden. Der Nutzer hat mehr Informationen auf einen Blick verfügbar, ohne jedoch die Übersicht zu verlieren.

Trotz aller Neuerungen bleibt Fiori 2.0 den Design- und Konzeptionsgrundsätzen von Fiori treu. Es ist rollenbasiert, anpassungsfähig, einfach, kohärent und ansprechend.

Vorteile von Fiori 2.0

  • Verbesserte Produktivität
  • Schnellerer Zugriff auf relevante Informationen und Anwendungen
  • Benachrichtigung über zeitkritische Aufgaben
  • Entscheidungshilfe bei der Priorisierung von Aufgaben
  • Befähigung schnellere und fundiertere Entscheidungen zu treffen
  • Erhöhte Nutzerzufriedenheit

Technologischer Hintergrund

Hinter dem intuitiven und geräteunabhängigen Nutzererlebnis von Fiori Apps stehen verschiedene Technologien, die wir im Folgenden näher betrachten wollen. Wir beschränken uns dabei auf die zentrale Backendtechnologie OData und die Oberflächentechnologie SAPUI5 und, da es die Eingangstür in die Welt der Fiori Apps darstellt, das Launchpad.

OData

OData ist ein von Microsoft definiertes, HTTP-basiertes Protokoll für den Datenzugriff zwischen verschiedenen Softwaresystemen. Es ist ein offener Webstandard, der für APIs diverser Anwendungen genutzt wird und plattform-, technologie- sowie programmiersprachenunabhängig ist.

OData APIs können in Cloud-Dienste eingebunden werden und sind in der Lage, in der Client-Server-Kommunikation eine einheitliche Semantik für den Datenaustausch zur Verfügung zu stellen.

Indem OData für im Fiori Backend zum Einsatz kommt, können Fiori Applikationen später Daten aus anderen Anwendungen Ihren SAP-Systems und aus Drittanwendungen beziehen. So ist auch eine Integration von Daten aus den unterschiedlichsten Quellen möglich.

SAPUI5

SAPUI5 ist aktuell die neben WebDynpro die am weitesten verbreitete SAP-Oberflächentechnologie und soll in Zukunft als alleinige Oberflächentechnologie etabliert werden. Das UI Framework wird nicht nur für Fiori Applikationen eingesetzt, sondern ganz allgemein für die Entwicklung von Anwendungen auf Basis von JQuery und Webstandard wie HTML5, JavaScript und CSS3. SAPUI5 ist für die Entwicklung von Applikationen optimiert, die sowohl von Desktop-Rechnern als auch mobilen Endgeräten genutzt werden sollen.

SAPUI5 ist ideal für die Entwicklung von schlanken Business Applikationen mit einem Fokus auf Usability. Es unterstützt alle SAP Produkte und lässt sich auf diversen Servern nutzen.

SAPUI5 ist kein separates SAP-Produkt, das Lizenzgebühren verursacht, sondern in verschiedenen SAP-Produkten integriert, zum Beispiel im NetWeaver ab Version 7.4, in SAP HANA oder der SAP Cloud Platform. Es ist sowohl für OnPremise-Applikationen als auch für die Entwicklung auf der Cloud Platform geeignet.

Web IDE

Die SAP Web IDE ist eine webbasierte und integrierte Entwicklungsumgebung, die die Entwicklung von SAPUI5-Anwendungen wie Fiori Apps vereinfacht. Sie liegt vollständig im Web und ist ein Service innerhalb der HANA Cloud Platform. Wenn Sie den Cloud Connector nutzen, können Sie Ihre Entwicklungen ohne großen Aufwand auch on-premise nutzen.

Die Web IDE kann für den gesamten Lifecycle von Applikationen genutzt werden: Anwendungen können erstellt, debuggt, getestet, erweitert und deployed werden. Dabei beschleunigen Wizards, Templates und Beispiel-Applikationen, Drag & Drop Tools und ein Code Editor die Entwicklungsarbeit deutlich. Die Web IDE ist das Tool der Wahl, um Fiori Apps zu erstellen und zu erweitern, da Sie ohne viel Vorbereitung direkt mit der Arbeit beginnen können.

Launchpad

Das Launchpad ist die Homepage, über die Anwender auf alle für sie eingerichteten bzw. freigegebenen Fiori Anwendungen zugreifen können. Nach SAP-Erhebungen nutzen 80 Prozent der Anwender täglich fünf wiederkehrende Apps. Diese sie können im Launchpad prominent platzieren, um schnellen Zugriff sicherzustellen.

SAP Fiori Launchpad

Das Launchpad ist für verschiedene Plattformen und Clients verfügbar. Es kann in das SAP Enterprise Portal, den SAP Business Client, als Stand-Alone-Lösung im Browser sowie in der SAP Cloud Platform verwendet werden.

Das Launchpad kann auf vielfältige Weise an die unternehmensspezifischen und rollenabhängigen Anforderungen angepasst werden. Im Bereich von Header, Subheader und Footer erfolgt die Individualisierung über öffentliche APIs. In das Profil des Nutzers können beispielsweise weitere Einstellungsmöglichkeiten oder ein Feedback Button integriert werden. Daneben geben verschiedene Plugins die Möglichkeit, bequem Anpassungen am Launchpad vorzunehmen.

SAP stellt auf seiner Webseite hierzu auch diese Klick-Demo zur Verfügung.

Fiori Infrastruktur: On-Premise vs. Cloud

Die technologische Infrastruktur von Fiori besteht aus Frontend- und Backend-Komponenten. Die Frontend-Infrastruktur stellt die App-Oberflächen bzw. das Launchpad bereit. Die Backend-Infrastruktur ist für die Bereitstellung der Daten zuständig (SAPUI Bibliothek).

Es sind verschiedene Infrastrukturen möglich, um Fiori Applikationen zu deployen. Als Laufzeitumgebung für das Fiori Launchpad können

  • SAP ABAP Server (SAP Fiori Frontend Server),
  • SAP Cloud Platform oder
  • SAP Enterprise Portal (EP)

verwendet werden.

Grundsätzlich lassen sich zwei Deployment-Methoden unterscheiden: Die on-premise Infrastruktur, in der die Fiori Apps über das SAP Gateway mit dem ERP-System verbunden werden, und die Cloud-Infrastruktur, in der die Applikationen mithilfe von SAP HANA betrieben werden.

Fiori Architektur

Fiori On-Premise

Das Fiori Launchpad kann on-premise auf einem ABAP Frontend Server (FES) zusammen mit dem NetWeaver Gateway betrieben werden.

Das Fiori Launchpad kann über den Webbrowser auf allen Endgeräten aufgerufen und über den SAP Fiori Client auch auf mobile Geräten genutzt werden. Außerdem lässt sich dieser Fiori Client auch über das sog. Kapsel SDK auch an eigene Bedürfnisse anpassen – z.B. für die Verwendung von zertifikatsbasierter Authentifizierung. Die Verwendung des SAP Business Client (SAP BC) ist dabei empfohlen, um Fiori Apps mit native SAP Anwendungen und WebDynpro Applikationen in einer Windows-Umgebung zu kombinieren.

Wird Fiori auf Basis des SAP Portals genutzt, wird es als Multichannel Framework ausgeliefert. Es setzt die Fiori Designprinzipien um und nutzt gleichzeitig die technologischen und organisatorischen Prozesse des Portals.

Grundsätzlich kann bei jeder on-premise Infrastruktur zwischen einem Embedded und einem Hub-Deployment unterschieden werden. Hierbei wird auf die unterschiedliche Verwendung des SAP Gateways angespielt.

Aufbau mobiler Infrastruktur

SAP Gateway

Das SAP Gateway ist ein Server, der Geschäftsdaten der SAP Business Suite für Drittanwendungen zugänglich macht. Auf diese Weise ist es ebenso möglich, eine Brücke zwischen den Web- und der SAP-Repräsentationen der Daten zu schlagen, die sich vorher einander ausschließend gegenüberstanden.

Beim Embedded Deployment wird das SAP Gateway nicht auf einem eigenen Server installiert. Frontend und Backend befinden sich dann auf dem gleichen System. Beim Hub Deployment wird dagegen ein eigener Server verwendet.

Das SAP Gateway ist in den SAP NetWeaver ABAP 7.40 bereits integriert und kann auf dem SAP NetWeaver ABAP 7.31 nachinstalliert werden, sodass das Embedded Deployment zunächst mit weniger Aufwand verbunden ist. Dennoch ist eine getrennte Installation zu empfehlen, da so die Sicherheit und die Zugriffssteuerung erhöht wird. In Kombination mit einem Reverse Proxy eingesetzt, bietet das Hub Deployment den bestmöglichen Sicherheitsstandard und ist dem Embedded Deployment immer vorzuziehen.

SAP Cloud Platform / Fiori Cloud Edition

Seit Anfang 2016 ist mit der SAP Fiori Cloud Edition ein Service verfügbar, der den Aufbau der gesamte Frontend-Infrastruktur überflüssig macht. Denn die Applikationen werden auf der SAP Cloud Platform entwickelt.

SAP Cloud Platform und Fiori Cloud Edition

Die SAP Cloud Platform wird als eine Plattform in der Cloud angeboten (PaaS), in der unter anderem Fiori Applikation entwickelt und deployed werden können. Die Cloud Platform kann genutzt werden, um Fiori vollständig in der Cloud oder als hybride Lösung zu betreiben. In der hybriden Variante werden Daten aus der on-premise Business-Landschaft und anderen Cloud-Systemen gezogen. Soll das unternehmenseigene on-premise System mit der Cloud Platform verbunden werden, kommt der SAP Cloud Connector ins Spiel.

Der SAP Cloud Connector stellt via VPN eine Verbindung vom on-premise System zur SAP Cloud Platform her, sodass die Cloud-Anwendungen auf aktuelle Daten aus dem SAP-System, Funktionsbausteine und andere Services zugreifen können. Die verwendeten Daten werden dabei nicht in der Cloud gespeichert, sondern immer wieder neu aus dem System geladen.

Ein Sicherheitsrisikostellt der SAP Cloud Connector nicht dar. Indem der Connector eine sichere Verbindung mit der SAP Cloud Plattform aufbaut, ist das Öffnen zusätzlicher Ports nicht notwendig. Der Zugriff selbst ist streng gesichert und muss für alle Services dezidiert freigegeben werden.

Der SAP Cloud Connector ist vom BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) zertifiziert. Für Hochverfügbarkeitsszenarien empfiehlt sich außerdem die Verwendung von zwei Cloud Connectoren pro System.

Die Einführung von Fiori in der Cloud Edition ist mit einem deutlich geringeren Aufwand im Vergleich zur on-premise Infrastruktur verbunden.

SAP Fiori Apps

Mittlerweile bietet SAP knapp 10.202 Fiori Apps für Geschäftsprozesse an (Stand 01/2018). In dieser großen Auswahl werden alle SAP-Bereiche und Systeme von ERP bis CRM abgedeckt, die sich in drei grobe Kategorien unterscheiden lassen:

  1. Transaktionale Apps: Sie ermöglichen dem Nutzer Transaktionen auf mobilen Geräten und Desktop-Rechnern auszuführen. Beispiele: Abwesenheitsantrag, Bestellgenehmigung.
  2. Factsheet & Contextual Navigation: Diese Apps zeigen Factsheets zu zentralen Businesszielen und KPI und ermöglichen es über eine Drill-Down-Funktionalität, detaillierte Informationen zu einzelnen Objekten abzurufen. Beispielsweise kann von einem Vertrags-Factsheet zum Verkäufer und einzelnen Vertragsbestandteilen navigiert werden.
  3. Analyse-Apps: Sie bieten einen grafischen und leicht erfassbaren Zugang zu komplexen Unternehmensbereichen und fassen KPI übersichtlich zusammen.

Die Fiori App Library bietet einen Überblick aller Applikationen, die nach verschiedenen Kriterien, ausgehend von der eigenen, verwendeten Infrastruktur, gefiltert werden können.

Fiori for iOS

SAP ist 2016 eine Partnerschaft mit Apple eingegangen. Seitdem können Entwickler das gesamte technische Knowhow von SAP mit dem Designverständnis von Apple verbinden und sowohl intuitive und ansprechende wie auch leistungsstarke Fiori Apps für iOS erstellen, die perfekt mit der übrigen technologischen Unternehmensinfrastruktur harmonieren. Mit Fiori for iOS können Apple-Nutzer nun auch in den Genuss von Applikationen kommen, die ihren im Consumer-Umfeld entstandenen Ansprüchen genügen.

Die Apps entsprechen zwar den Fiori Designrichtlinien, basieren aber nicht auf UI5, sondern auf Swift, der nativen Entwicklungssprache für iOS. Daher entsprechen sie nicht ganz dem Design der klassischen SAPUI5 Apps, doch verfügen sie dafür über eine stärkere Integration im Betriebssystem. Auf diese Weise lassen sich Fiori for iOS SDK (Software Development Kit) Apps auch für die Apple Watch entwickeln. Manager haben dann zum Beispiel die Möglichkeit, Urlaubsanträge über ihre Uhr zu genehmigen.

Entwickler können die Fiori Mentor App aus dem App Store laden, um sich die verschiedenen Controls auf seinem iPad anzusehen und sich ausgewählte Code Snippets über das Universal Clipboard speichern. Die Snippets kann er dann auf seinem Mac aufrufen und bequem in der Entwicklungsumgebung xcode weiterverwenden.

Fiori for iOS zeichnet sich durch adaptive Layouts aus. Die Größe und Darstellung des Inhalts passt sich dynamisch an das Endgerät an. Für iOS sind zwei unterschiedliche Klassen definiert:

  • Regulär – bietet mehr Fläche (für iPad)
  • Kompakt – begrenzte Fläche (für iPhone)

Fiori for iOS

Fiori Roadmap

Fiori ist der neue Standard für Anwendungsoberflächen. Seine Entwicklung ist dabei alles andere als abgeschlossen. Neue Features und Verbesserungen werden kontinuierlich veröffentlicht. Ein Ausblick, auf einige der wichtigsten Innovationen, die Unternehmen erwarten dürfen.

Anmerkung: Die offizielle Roadmap ist extrem komplex und detailliert. Der Übersichtlichkeit halber stellen wir Ihnen nur eine Auswahl von nach unserer Einschätzung besonders interessanten Innovation vor.

Fiori Elements

Für die Overview Page und List Reports soll es Karten in semantischen Farben geben, Karten mit Quick Views und Bilder Listen. Außerdem geplant sind Analytical List Pages
und Flexible Column Layouts.

Launchpad

Im Menü sollen Related Apps angezeigt werden können. Über einen Button im Header des Launchpads sollen häufig verwendete Apps gestartet werden können. Kacheln sollen in verschiedenen Größen und Farben zur Verfügung stehen. Die Sprache soll sich innerhalb der Benutzereinstellungen umstellen lassen.

Fiori for iOS

In die Header sollen Analytics integriert werden, d.h. Kurvendarstellungen oder Vollständigkeitsanzeigen. Geplant sind außerdem Analytics Karten, die ähnlich der Kacheln im klassischen Fiori funktionieren und Graphen anzeigen, sowie Full Screen Analytics, die Detailauswertungen im Vollbildmodus anzeigen.

SAPUI5 Flexibility Services

Das Tool soll die Anpassung der Apps an verschiedene Nutzerbedürfnisse und Berechtigungsstufen er möglichen. Sowohl die Reihenfolge von Elementen kann verändert als auch das Ein- und Ausblenden von Apps gesteuert werden. Auf diese Weise sieht der Nutzer nur genau das, was er sehen soll, sodass eine schnelle Orientierung verbessert wird.

Conversational UI

Eine der vielleicht größten Innovationen ist SAPs Ausrichtung auf Conversational UI, die mit dem SAP CoPilot eingeführt wurde.

Der Assistent ermöglicht es Nutzern, ähnlich wie Siri oder Alexa, Business-Anwendungen per Sprach- oder Texteingabe zu steuern. Das Konzept ist neu, insbesondere im Unternehmenskontext.

SAP CoPilot befindet sich in den Kinderschuhen und wird im Laufe der nächsten Jahre mit mehr und mehr Fähigkeiten ausgestattet. Nach ersten Angaben wird er sich zuerst in die Google Suite integrieren lassen. Damit kann der Assistent auf E-Mail-Inhalte zugreifen und passende Infos auf Sprach- oder Textanfragen des Nutzers im SAP-System anzeigen.

In Zukunft wird CoPilot das Nutzerverhalten analysieren und lernen und darauf aufbauen Handlungsempfehlungen aussprechen. Glaubt man der Vision, soll es in Zukunft möglich sein, ganze Reportings unterwegs und per Spracheingabe zu erstellen. Dabei unterstützt der CoPilot nicht nur bei den SAP-spezifischen Aufgaben, sondern übernimmt auch die Planung von Terminen und Aufgaben.

Fazit

Fiori Apps bringen die intuitive Nutzererfahrung von Consumer Apps endlich auch in die SAP-Welt. Doch so intuitiv die Fiori-Anwendung für Nutzer sind, der Weg dorthin erfordert etwas mehr Einarbeitung. Denn Fiori ist nicht gleich Fiori.

Unternehmen müssen zwischen verschiedenen Infrastrukturen wählen und sich mit den zugrundeliegenden Konzepten von Fiori vertraut machen, um geeignete Use Cases zu definieren und die Einführung zu koordinieren. Doch die Vorbereitungen lohnen sich. Denn Fiori bringt eine Vielzahl von ganz monetären Vorteilen für Unternehmen.

Usability ist in Zeiten durchdigitalisierter Geschäftsprozesse mehr als ein „nice to have“. Es ist ein elementarer Erfolgsfaktor. Doch nicht für jedes Unternehmen ist Fiori die richtige Wahl. Hier kann nur eine individuelle Analyse zur Entscheidung führen.



13 Kommentare zu "Was ist SAP Fiori?"

Tomas Wichmann - 19. Mai 2015 | 07:54

Hallo,

guter Artikel, der einige interessante technische Details enthält.

Ich habe dazu eine Frage:
Sie schreiben: „Der SAP App-Builder nutzt die Oberflächen von SAP UI5 und verpackt diese in ein responsives, für Mobilgeräte optimiertes Layout.“ Gilt dies nur für Eigenentwicklungen? Wie verhält es sich mit den von SAP ausgelieferten Fiori-Apps. Sind diese auch im Responsive Design oder muss ich damit rechnen, dass die App nur im mobilen Umfeld vernünftig aussieht?
Darüber hinaus interessiert mich, ob (im Gegensatz zu WebDynpro ABAP) ein Corporate Design bei Nutzung der Fiori Apps ohne riesigen Aufwand umsetzbar ist.

Antworten
Vasco Schultz - 4. Juni 2015 | 11:54

Sehr geehrter Herr Wichmann,

vielen Dank für Ihre Fragen:
Tatsächlich greift das responsive Design auch bei Eigenentwicklungen. Beispielsweise gibt es ja die typische Überblick/Detailseite. Hier wird der Balken an der linken Seite mit den Navigationsinformationen wie beispielsweise den verschiedenen Bestellanforderungen ausgeblendet, wenn der „Platz“ auf dem Display des Endgeräts eine bestimmte Größe unterschreitet.
Die Fiori Apps sehen sowohl auf mobilen Endgeräten als auch auf einem normalen Desktop gut aus. Beispielsweise wird auf dem Desktop dann die oben angesprochene Übersichtsliste mit angezeigt und nicht verborgen.
Ein Corporate Design ist sehr einfach umzusetzen. Die SAP hat hierfür den Theme Designer, mit dessen Hilfe sich sehr einfach ein Farbschema erstellen lässt. Ebenso können eigene Hintergrundbilder oder Logos eingebaut werden.
Falls Sie weitere Fragen haben, rufen Sie ruhig an.

Antworten
Lukas Weigert - 13. Oktober 2015 | 11:48

Hallo Herr Behrndt,
interessanter Artikel. Können Sie etwas zu den entstehenden Kosten durch die Nutzung von SAP Fiori sagen?

Antworten
Johannes Behrndt - 20. Oktober 2015 | 21:27

Hallo Herr Weigert,
die Nutzung von SAP Fiori ist in Ihrer SAP-Lizenz bereits enthalten. Jeder Benutzer, der über eine Fiori-App auf Ihr SAP-System zugreift muss natürlich eine entsprechende SAP-Lizenz haben, jedoch sind für Fiori selbst keine zusätzlichen Lizenzen erforderlich.
Allerdings müssen Sie für die Nutzung von SAP Fiori zunächst Ihre Systeme und Infrastruktur vorbereiten und die Apps einrichten und ggf. an Ihre individuellen Prozesse anpassen. Dafür entstehen ggf. noch zusätzliche Kosten.
Gerne können wir einmal über Ihren Anwendungsfall sprechen, und herausfinden welche Kosten auf Sie zukommen. Schreiben Sie mir einfach direkt an behrndt@mission-mobile.de

Viele Grüße,
Johannes Behrndt

Antworten
Christian Neuhaus - 21. Oktober 2015 | 11:21

Guten Tag,
Ist SAP Fiori auch mit älteren SAP-Systemen kompatibel? Falls ja, wie weit zurück reicht die Kompatibilität?
Beste Grüße

Christian Neuhaus

Antworten
Johannes Behrndt - 26. Oktober 2015 | 12:35

Hallo Herr Neuhaus,

SAP Fiori ist durchaus auch mit älteren Systemen kompatibel. Grundsätzlich ist allerdings zu sagen, dass die Anforderungen an das sogenannte Frontend-System, welches als „Webserver“ für die Fiori-Anwendung fungiert, relativ hoch sind und daher bei älteren Systemen relativ viel Patches und Updates eingespielt werden müssen.
Grundsätzlich empfiehlt es sich hier auch ein vorgelagertes Frontend-System mit einem möglichst aktuellen Stand von SAP Netweaver (derzeit 7.4) zu verwenden.
Die Backendsysteme, also z.B. das ERP-System, in denen dann die Prozesse laufen, können dann häufig auch älter sein. Das hängt allerdings von der jeweiligen App ab.
Genauere Informationen finden sich zu jeder App dazu in der Fiori App Library.

Gerne können wir über die Möglichkeiten in Ihrer speziellen Umgebung einmal sprechen. Kontaktieren Sie mich einfach unter behrndt@mission-mobile.de.

Schönen Gruß,
Johannes Behrndt

Antworten
Tobias Schulte - 26. Oktober 2015 | 09:35

Hallo Herr Behrndt,
danke für den guten Überblick. Können Sie noch näher auf den Unterschied zu Screen Personas eingehen? Ist SAP Fiori überhaupt interessant, wenn vorwiegend stationär gearbeitet wird? Besten Dank.
Grüße

Tobias Schulte

Antworten
Johannes Behrndt - 26. Oktober 2015 | 12:31

Hallo Herr Schulte,

im Gegensatz zu SAP Fiori, welches auf SAP UI5 basiert und damit ein Framework nutzt, welches auch die Entwicklung von Oberflächen für beliebige neue Anwendungen ermöglicht ist Screen Personas ein Tool, um bestehende Dynpro-Anwendungen ein wenig zu vereinfachen und „aufzuhübschen“.
Mit Screen Personas können Sie relativ einfach aus Ihren bestehenden Dynpro-Anwendungen z.B. mit vielen Tabreitern und Feldern eine kleine neue und vereinfachte Oberfläche für einen begrenzten Anwenderkreis erstellen ohne entwickeln zu müssen.
Es ist jedoch nicht möglich, wie mit SAP UI5 und damit SAP Fiori vollständig neue und mobilfähige Anwendungen und Oberflächen zu entwickeln.

Weitergehende Informationen für einen Vergleich der Technologien, finden Sie auch auf der Seite erlebe-software.de meines Kollegen Herrn Biermann – z.B. unter Neuer Glanz für alte Transaktionen mit SAP Screen Personas

Viele Grüße,
Johannes Behrndt

Antworten
hendrikhilleckes - 12. November 2015 | 17:56

Guten Tag Herr Meurer,

diese Frage kann pauschal nicht beantwortet werden. Es gibt drei Arten von Fiori Apps: transaktionale und analytische Apps sowie Infoblätter.

Transaktionale Apps (wie zB Urlaubsanträge bestätigen) sind nicht auf HANA angewiesen. Der Großteil der Fiori-Apps sind transaktionale Apps.

Analytische Apps und Infoblätter benötigen HANA.
Mehr Informationen dazu finden Sie hier: http://help.sap.com/fiori_bs2013/helpdata/de/ec/a941524a6b6760e10000000a423f68/content.htm

Für weitere Fragen stehen wir natürlich gerne zur Verfügung!

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